Stilübungen nach Raymond Queneau

Basisinformation

(Auf dieser Grundlage entstehen alle weiteren Übungen)

Eine Frau betritt einen kleinen Supermarkt in ihrem Heimatort. Auf ihrer Einkaufsliste stehen Tomaten und Mozzarella fürs Abendessen. Sie nimmt keinen Wagen. Im Laden begegnet ihr eine Bekannte. Sie begrüßen sich, sprechen kurz über das Wetter und die Familie und verabschieden sich, indem sie sich gegenseitig Grüße auftragen. Danach sucht die Frau erst die Tomaten aus und nimmt schließlich Mozzarella aus dem Kühlregal. An der Kasse ist nur eine Person vor ihr dran. Sie grüßt die Kassiererin mit einem Kopfnicken, muss 2,13 Euro bezahlen und verlässt den Laden.

1. Verdoppelung

So würde die Verdoppelung nach Queneau aussehen:

Eine weibliche Frau betritt und geht in einen kleinen nicht großen Supermarkt Laden in ihrem Heimatort, ihrer Heimat. Auf ihrer Einkaufsliste für die Waren, die sie erwerben will, stehen Tomaten und Mozzarella fürs Abendessen, die Mahlzeit gegen 19 Uhr. Sie nimmt keinen Wagen und keinen Korb. Im Laden drinnen begegnet ihr eine bekannte Nachbarin. Sie begrüßen sich „Guten Tag!“, sprechen kurz über das Wetter „herrlich diese Sonne und die Familie „wie geht’s denn allen so?“ und verabschieden sich, indem sie sich gegenseitig Grüße auftragen „Ja dann, alles Gute und schöne Grüße an den Mann und die Kinder!“. Danach sucht und findet die einkaufende Frau zuerst die Tomaten und wählt die schönsten aus und nimmt schließlich eine Käsekugel Mozzarella aus dem Kühlregal, der kalten Theke. An der Kasse beim Bezahlen ist nur eine männliche Person vor ihr dran. Sie grüßt die angestellte Kassiererin hinter der Kasse mit einem grüßenden Kopfnicken, muss 2,13 Euro bezahlen bevor sie die Waren mitnehmen kann und verlässt den Laden indem sie durch die Schiebetür hinausgeht.

(Unterstrichen sind die Änderungen zur Basis)

Da ich aber eine lesbare Version schaffen möchte, habe ich hier eine längere Fassung geschrieben:

Am Nachmittag, als sie endlich Feierabend hat, geht Kyla Braun noch in den kleinen Supermarkt am Ort. Sie geht lieber in die Läden direkt vor der Tür, selbst wenn sie weniger Auswahl haben und mitunter etwas teurer sind. Da auf ihrer Liste nur Tomaten und Mozzarella fürs Abendessen stehen, nimmt sie weder einen Wagen noch einen Einkaufskorb. Das verleitet nur zu größeren Einkäufen als geplant, weiß sie aus Erfahrung. Und sie hat ja fest im Blick, was sie wirklich braucht für heute Abend. Trotzdem bummelt sie durch die Gänge, nimmt mal dieses und mal jenes in die Hand, stellt aber alles zurück ins Regal und an seinen Platz. Da begegnet ihr die Nachbarin Regina García Álvarez, die Frau des Chorleiters, die ihr flüchtig bekannt ist.

„Hallo“, grüßt Kyla Braun und hofft, sich nicht in ein Gespräch verwickeln zu lassen, da sie nicht mit ihr reden mag.

„Ah, wie geht’s?“ Regina García Álvarez bremst den vollen Einkaufswagen ab, in dem sich Mengen an verschiedensten Lebensmitteln türmen, und bringt ihn zum Stehen. „Wie geht es Ihrem Ehemann? Kommen Sie gerade von der Arbeit aus dem Büro?“

„Es geht uns gut. Danke! Ja, aus dem Büro.“ Eine Pause entsteht, als beide nach weiteren Worten suchen. „Nun, dann grüßen Sie Ihren Mann von mir.“

„Sie auch. Bis dann.“ Beide setzen ihren Weg fort und entfernen sich voneinander in entgegen gesetzte Richtungen.

Kyla kommt an den Gemüsestand, an dem die Tomaten liegen und wählt aus den verschiedenen Angeboten sorgfältig aus. Es gibt große, kleine, mit und ohne Stiel, runde, längliche, rote, dunkle, fleischige, wässrige und die verschiedenen Packungsgrößen zu bedenken und gegeneinander abzuwägen. Sie entscheidet sich und nimmt diese mit zur Kühltheke. In dem Regal stehen die Produkte, die Kälte nötig haben, also der gewünschte Käse. Auch hier  ist die Auswahl groß, die Palette breit. Kyla Braun greift nach den Tüten mit den Käsekugeln, wählt den Mozzarella vom Büffel aus und geht zur Kasse. Vor ihr ist nur ein Kunde beim Bezahlen. Tomaten und Mozzarella werden auf dem Laufband zur Kasse transportiert und vorne angekommen von der Kassiererin gescannt. Kyla sieht den Betrag von 2,13 Euro im Display und zählt die Münzen im Portemonnaie passend ab. Sie nickt der Angestellten an der Kasse freundlich aber schweigend zu, mag immer noch nicht reden und geht mit ihrem Einkauf durch die automatische Schiebetür aus dem Laden hinaus.

 

2. Litotes

[Für die, die auch nicht sofort wissen, was das für ein Stilmittel ist, bei Wikipedia findet sich folgende Definition: Die Litotes (griechisch λιτότης, litótēs, ‚Sparsamkeit‚ Zurückhaltung‘) ist eine Stilfigur, bei welcher ein Sachverhalt durch die Negation (Verneinung) seines Gegenteils behandelt wird, um durch Untertreibung oder Abschwächung die Hervorhebung eines Begriffs zu erreichen.]

Am Nachmittag geht Kyla Braun in den weniger großen Supermarkt am Ort. Sie geht nicht ungern in die Läden direkt vor der Tür, selbst wenn die Auswahl nicht groß ist. Da auf ihrer Liste nichts außer Tomaten und Mozzarella fürs Abendessen stehen, nimmt sie weder einen Wagen noch einen Einkaufskorb. Das verleitet nur zu größeren Einkäufen als geplant, weiß sie aus Erfahrung. Sie bummelt nicht durch die Gänge, nimmt nicht erst dieses und dann jenes in die Hand, nur um es zurück ins Regal zu stellen. Da begegnet ihr die fast unbekannte Nachbarin Regina García Álvarez, die Frau des Chorleiters.

„Hallo“, grüßt Kyla Braun und hofft nicht, dass sich ein Gespräch entwickeln wird.

„Ah, wie geht’s?“ Regina García Álvarez schiebt den vollen Einkaufswagen nicht weiter. „Wie geht es Ihrem Mann? Sie kommen doch nicht gerade von der Arbeit?“

„Es geht uns nicht schlecht. Danke! Ja, aus dem Büro.“ Kurze Zeit sagt keine etwas. „Nun, dann grüßen Sie Ihren Mann von mir.“

„Sie auch. Bis dann.“ Beide entfernen sich in verschiedene Richtungen.

Kyla kommt an den Gemüsestand, wählt nichts außer einer Packung Tomaten aus und nimmt diese mit zur Kühltheke. In dem Regal liegt nicht nur der gewünschte Käse. Dennoch greift Kyla Braun nur nach den Tüten mit dem Mozzarella und geht zur Kasse. Vor ihr sind nicht mehrere Kunden wie sonst. Tomaten und Mozzarella werden auf dem Laufband zur Kasse transportiert und dort gescannt. Kyla sieht den Betrag von nicht mal 2,20 Euro im Display und zählt die Münzen passend ab. Sie nickt der Angestellten an der Kasse freundlich zu, und bleibt mit ihrem Einkauf nicht im Laden stehen.

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