Schreibchallenge
Hier die Rahmenbedingungen für unsere aktuelle Schreibchallenge:
1. Sammlung der TeilnehmerInnen und ihrer Beiträge (Figur, Ort, Gegenstand) bis Montag 19.10. um 19 Uhr (dazu bitte hier Kommentare mit Anmeldung und Beitrag hinterlassen)
2. Schreibzeit bis Samstag 24.10.
3. Abgabe der fertigen Texte (mindestens 1.000 Wörter) hier oder im NaNo-Forum unter www.nanowrimo.org Region Germany & Austria (wird noch geklärt, bitte gebt dazu eure Meinung ab)
Bleibt mir nur noch, euch/uns viel Spaß zu wünschen und die nötige Kreativität!

Okt 17, 2009 @ 16:40:00
Bleistift, Bahnhofsbäckerei (in irgendeiner Großstadt), Mensch, der (oder die) dabei ist, sich in einer fremden Stadt zu bewerben.
Wo finde ich die genauen Regeln der Challenge? Ich habe jetzt einfach Ort, Gegenstand und Person geschrieben, wie sie mir eingefallen sind, wahrscheinlich schon zu langweilig…
lg, Susanna
Okt 17, 2009 @ 16:59:22
Hallo Susanna,
weitere Regeln gibt es (noch) nicht. Wir sammeln jetzt die Anmeldungen und die Einzelangaben und dann kann jeder bis Samstag schreiben.
Gruß
Solveig
Okt 17, 2009 @ 17:02:40
Bin natürlich auch dabei.
Ich möchte nur einen Ort hinzufügen, der bitte Berücksichtigung in euren Werken findet:
Ein skurriles Museum (Thema bitte selbst wählen).
Noch mehr Grüße
Solveig
Okt 18, 2009 @ 09:29:02
Also ich sagte ja schon, dass ich auch mitmache.
Ich steuere Anja bei, 22-jährige Studentin, die sich ihr Studium in einer Stripbar finanziert (nur gucken, nicht anfassen
)
Ich freu mich schon auf die hoffentlich vielen, vielen Geschichten zur Challenge
Okt 23, 2009 @ 15:28:47
Mein Ergebnis (etwas mehr als 1.000 Worte):
„Eine Brezel, bitte. Kann ich bitte eine möglichst helle bekommen? Danke sehr!“ Die Stimme klang etwas verzagt, als sei jede Bitte mit einer möglichen Ablehnung verbunden. Scheu guckte die junge Frau in die Auslage des Bäckers, nicht in die Augen der Verkäuferin. Daher bemerkte sie erst zu spät, als diese genervt auf das Geld für die eingepackte Brezel wartete, die sie noch immer in der Hand hielt.
„Entschuldigung!“ Entfuhr es der jungen Frau, die hastig im Portemonnaie die passenden Münzen suchte und auf das Plastiktellerchen legte. Zitternd nahm sie die Tüte entgegen. Schon halb im Gehen, drehte sie sich nochmals zu der Verkäuferin um. Es schien sie große Überwindung zu kosten, als sie sie nochmals ansprach.
„Sie wissen nicht zufällig, ob hier eine Aushilfe gebraucht wird? Ich, ich suche einen Job…“ Die letzten Worte wurden immer leiser und zaghafter. Der Blick der Verkäuferin blieb ungerührt.
„Nein, wir suchen niemanden.“ Ihr Blick hatte sich bereits der nächsten Kundin, einer hübschen jungen Frau mit langen blonden Haaren zugewandt. „Bitte?“ Doch diese winkte ab und folgte der vorigen Käuferin aus dem kleinen Geschäft.
„Hey, du suchst einen Job?“ Als die Angesprochene sie nur kurz ansah, aber nicht antwortete, versuchte sie es weniger direkt. „Ich bin Anja. Habe gerade in der Bäckerei gehört, dass du gefragt hast.“ Ein freundliches Lächeln verfehlte seine Absicht nicht.
„Ja, suche ich. Ich bin Marie. Ich brauche eine Arbeit, um mir das Studium zu finanzieren.“ Verwirrt über ihren eigenen Sprachfluss einer Fremden gegenüber, schloss Marie den Mund. Es war ihr peinlich, dass sie diese Sorgen einer unbekannten Frau ins Gesicht gesagt hatte. Doch Anja schien es nicht tragisch zu nehmen oder abgestoßen zu sein. Stattdessen nickte sie und zog Marie mit sich in ein kleines Café. Sie drückte sie sie in einen weichen, schwarzen Ledersessel, stapfte zur Theke und kam mit zwei Bechern Kaffee zurück. Marie mochte keinen Kaffee, wollte aber nicht unhöflich sein. Daher kippte sie reichlich Milch in das dunkle Gesöff und rührte zwei Löffel Zucker unter. Dann nippte sie vorsichtig und versuchte sich ihren Abscheu nicht anmerken zu lassen. Anja bekam davon gar nichts mit, sondern schaute sie konzentriert an – nur nicht ins Gesicht. Was für ein Körper, ging es ihr durch den Kopf.
„Was für einen Job suchst du? Hast Du schon mal gearbeitet?“ Marie schluckte, wie konnte man nur so direkt sein? Das war wohl so üblich in einer Großstadt. Innerlich seufzte sie wegen der veränderten Umstände, in die sie geraten war. „Ich komme aus einem kleinen Ort in Niedersachsen, wo spielt keine Rolle, kennst du ganz sicher nicht. Ich werde hier Journalistik studieren, aber das wollten meine Eltern nicht, daher bekomme ich von ihnen kein Geld. Jetzt muss ich zum ersten Mal arbeiten.“ Sie wollte nicht zugeben, dass ihre Eltern mit Enterbung und Verstoßung aus der Familie gedroht hatten, als Marie sich weigerte, Medizin zu studieren. Sie wollte weder Zahnärztin wie die Mutter, noch Internist wie der Vater werden. Beide wollten ihr die eigenen Praxis übergeben und stritten selbst ständig darüber, was besser wäre.
„Naja“, jetzt rutschte Anja etwas näher an Marie heran und versicherte sich mit einem kurzen Blick in die Runde, dass niemand sie belauschte, „ich arbeite in einer Bar. Da kann man ganz gut verdienen. Für mich und mein Studium reicht es zumindest. Falls Du daran Interesse hast, könntest Du heute Abend mal mitkommen.“
In einer Bar, ging es Marie durch den Kopf, und das sollte dafür reichen, sich so toll anzuziehen und zu studieren? Anja sah aus, wie aus einer Modezeitschrift entstiegen! Was sollte das denn für eine Bar sein? Wahrscheinlich ein Szene-Treff mit sündhaft teuren Cocktails und Promis, die mit Hundertern als Trinkgeld um sich warfen. Das wäre ja nicht das Schlechteste.
„Ich weiß nicht, ob ich in einer Bar arbeiten könnte. Ich habe das noch nie gemacht. Meinst du, ich könnte es trotzdem probieren?“
„Ich glaube, der Job könnte zu dir passen. Soll ich dir die Adresse aufschreiben?“ Marie nickte nur. Erstaunt registrierte sie, dass Anja einen angekauten Bleistift aus der Designertasche zog und einen Zettel aus einem Heft riss. Sie notierte eine Adresse (inklusive Angabe der nächsten U-Bahnhaltestelle), dem Namen des Einlassers – also doch eine sehr gehobene Location, wenn man nur mit Beziehungen hinein kam – und als Uhrzeit 22 Uhr. Mit dem Zettel in der Hand blieb Marie noch 10 Minuten sitzen, als Anja schon gegangen war, und sinnierte über die Begegnung aus heiterem Himmel, die vielleicht ihre Finanzprobleme lösen könnte.
Um 21.50 Uhr stand Marie in den modischsten Klamotten, die sie hatte, an der angegebenen Adresse. Sie war gelinde gesagt überrascht, nein vielmehr entsetzt. Sie befand sich nicht in einer noblen Szenegegend, wie sie erwartet hatte, sondern in einer dunklen Straße. Die angegebene Adresse war hell erleuchtet mit Neonreklame, die blinkte und eine Frauensilouette zeigte. Das Etablissement trug den Namen „Saugeil“. Konnte sich Anja einen Spaß erlaubt haben? Aber was hätte sie davon gehabt? Vorsichtig guckte sie sich nochmals um. Dann trat sie zögernd an die Tür, die verschlossen war und keine Klinke hatte. Stattdessen gab es ein Fenster, das von einem Vorhang verdeckt wurde und eine Klingel. Marie drückte darauf und sofort wurde der Vorhang zur Seite geschoben. Ein grimmiges Gesicht erschien dahinter, dass sich sogleich aufhellte. Die Tür öffnete sich, ein Schwall warmer Luft und lauter Musik ergoss sich über die Wartende.
„Marie? Anja wartet schon auf dich. Ich bin Frank.“ Dann war sie ja doch richtig. Etwas erleichtert trat Marie über die Schwelle und überblickte den Raum. Da standen viele kleine Tische mit ein oder zwei Stühlen um eine Art Laufsteg herum, der in einer runden Plattform mit einer Stange in der Mitte endete. An dieser Stange agierte Anja, dass Marie beinahe der Mund offen stehen blieb. Die Schwerkraft schien für Anja keine Bedeutung zu haben, hinauf und hinunter bog und schob sie sich zu den harten Rhythmen der lauten Musik. Noch war der Raum nur halb gefüllt, doch die Zuschauer waren völlig in Anjas. Langsam entledigte sich Anja des Großteils ihrer Kleidung, die ohnehin nicht besonders viel Haut bedeckt hatte. Marie konnte sich gar nicht satt sehen an den geschmeidigen Bewegungen. Selbst als Frau wurde sie durch die Betrachtung dieses formvollendeten weiblichen Körpers erregt! Erschrocken über ihre eigenen Gefühle blickte sie rasch auf den Boden und dann weiter im Raum umher. Hinter einer Theke stand ein gut aussehender Mann um die 40 Jahre, der offenbar für die Getränke der Gäste zuständig war. Zwei Mädchen, weniger hübsch als Anja und mehr bekleidet, liefen als Bedienung mit Tabletts von Tisch zu Tisch und zur Theke zurück. Nach weiteren 30 Sekunden endete Anjas Auftritt und sie verließ die Bühne über den Laufsteg, dessen Beleuchtung hinter ihr erlosch. Marie wurde von Frank an den Tresen geführt und setzte sich auf einen der Barhocker. Der Barkeeper stellte ihr ohne zu fragen einen bunten Cocktail hin. „Ohne Alkohol“, sagte er dazu nur und zwinkerte mit dem rechten Auge. Vorsichtig sog Marie an dem Strohhalm. Tatsächlich, kein Alkohol, dafür viel Fruchtsaft in exotischen Geschmacksrichtungen. Sie entspannte sich etwas. Einige Minuten später kam Anja, noch immer aufreizend gekleidet, aber angezogen an die Theke zu Marie. Die traute sich kaum, diese anzusehen. Bei dem Gedanken an die Show eben und die Wirkung auf sie, wurde sie rot. Anja lachte sie an. Gemeinsam drehten sie sich erneut zur Bühne, als die Musik wieder einsetzte, der Laufsteg beleuchtet wurde und eine andere Kollegin das Unterhaltungsprogramm fortsetzte. Diese rassige Schönheit ignorierte die Stange und begeisterte die Herren mit einer orientalisch anmutenden Bauchtanzversion, die an Anzüglichkeit und Erotik in nichts hinter der vorherigen Nummer zurückblieb.
„Gut, nicht? Ich liebe ihren Stil. Sie ist so eins mit ihrem Körper!“ Marie konnte nur stumm nicken. Sie konzentrierte sich auf ihren Cocktail und wandte sich vom Geschehen ab.
„Du siehst sehr gut, weißt du das?“ Nahm Marie das Gespräch wieder auf. „Ich wette, die Männer würden dir zu Füßen liegen, wenn du hier tanzen würdest. Du suchst doch noch einen Job, oder?“
Tanzen? Hier? Vor Maries Augen drehte sich alles. Undenkbar! Noch einmal guckte sie die rassige Tänzerin an. Die Männer waren wie hypnothisiert. Das musste ein gutes Gefühl sein… Tanzen konnte sie dank langjähriger Ballettschule und Modern Dance-Kursen ganz gut. Sie schüttelte den Kopf, erst für sich, dann für Anja, die sie erwartungsvoll ansah.
„Okay. Falls du es dir noch überlegst, kannst du jederzeit wieder kommen. Versprochen?“ Anja schien ihr nicht böse zu sein. Nach einer weiteren heißen Tanznummer verabschiedete sich Marie und verließ ebenso unbemerkt wie sie gekommen war das „Saugeil“.
Einige Tage später, noch immer auf der Suche nach einem Job, lief Marie durch die Straßen Berlins. Es regnete und sie weichte langsam durch. Schließlich rannte sie in die nächst beste offene Tür und befand sich im Foyer eines kleinen privaten Museums. Der Titel verhieß „Schnitzkunst aus 5 Jahrhunderten“, klang nicht wirklich spannend. Doch es war warm, kostet nur 2 Euro Eintritt und die freundliche Dame, die ihr die Karte verkaufte, wies sie noch extra auf die Sonderausstellung im 2. Stock hin. Marie dankte ihr und machte sich auf den Weg, die erwartete langweilige Ausstellung hübsch langsam zu betrachten – wenigstens bis sie wieder trocken war und der Regen nachließ. Die gut ausgeleuchteten Räume mit dem Stuck an der Decke und den Schiebevorhängen vor den Altbaufenstern wirkten sehr professionell für ein privates Museum. Auch die ausgestellten Schnitzereien waren unerwartet hochwertig und in gesicherten Vitrinen untergebracht. Offenbar hatte Marie einen kleinen Geheimtipp entdeckt. Sie vertiefte sich – jenseits ihrer praktischen Überlegungen – in die Betrachtung der kleinen Kunstwerke. Schließlich kam sie ins zweite Obergeschoss. Hier änderte sich die Präsentation der Stücke schlagartig. Die Vorhänge waren nicht mehr weiß, sondern rot, rosa farben und violett. Auch die Wände waren in kräftigen Farben gestaltet und die Vitrinen durch Spots grell aus dem Dämmerlicht herausgerissen. Alle Schnitzereien zeigten erotische Szenen und Figuren. Verbogene Körper beim sexuellen Akt, Phallussymbole und mythische Darstellungen verströmten eine schwül-warme Aura, die auch Marie dazu bewegte, ihre Jacke und einen Knopf an ihrer Bluse zu öffnen und sich die Haare aus dem Gesicht zu streichen. Immer wieder stieß sie auf Darstellungen von Tänzerinnen und Tänzern, die ihre Körper darboten und die Fantasie anregten. Unwillkürlich musste sie an Anja und deren Kolleginnen denken. Einige der in Holz eingefangenen Bewegungen kamen ihr vertraut vor. Könnte sie sich ebenso biegen und wiegen? Auf einmal erschien es ihr reizvoll, gewagt und abenteuerlich, Anjas Angebot anzunehmen. Mit neuem, quasi beruflichem Interesse betrachtete sie eingehend die Figuren und prägte sie sich ein. Zuhause stellte sie sich in ihrem kleinen Zimmer prüfend vor den Spiegel. Sah sie gut genug aus? Könnte sie eine Aura der Lust und Sünde um sich aufbauen und andere damit erregen? Am Abend stand sie vor der Tür mit dem Fenster und klingelte. Frank öffnete ihr und begrüßte sie wie eine alte Bekannte. Dieses Mal begleitete er sie nicht zur Theke, sie kannte sich ja aus. Sie lächelte den Barkeeper an, der wortlos damit begann, einen fruchtigen Cocktail zu mixen. Es war noch früh für eine Stripbar und die Tische waren kaum besetzt. Anja kam wie aus dem Nichts auf Marie zu und umarmte sie zur Begrüßung. Der Barkeeper nickte Zustimmung. Da ergriff Anja das Cocktailglas und lud Marie ein, ihr hinter die Bühne zu folgen.
Noch am selben Abend trat Marie als lockende Venus erstmals über den Laufsteg auf das Podest und tanzte sich die ganze Kleinstadtprüderie aus dem Leib. Vor ihr im Publikum saß ihr zukünftiger Professor für Journalistik, aber das wussten sie beide noch nicht. Allein das Trinkgeld dieses Abends deckte die Miete für den Monat September.
Okt 26, 2009 @ 20:46:40
Also ich finde deine Geschichte super und wäre auch sehr interessiert daran, was denn wohl passiert, wenn Marie dann anfängt zu studieren und sie und ihr Professor feststellen, dass sie sich aus der Bar kennen.