Das Todesdreieck

Nicht nur meine KollegInnen können Haar sträubende Dinge von sich geben, auch die meines Mannes bringen uns hin und wieder zum Schmunzeln. Kennt ihr das Todesdreieck? Es findet sich am männlichen Körper! Nein, nicht wo ihr sofort dran denkt!!! Es hat seinen Platz mitten im Gesicht.

Laut Kollege darf Mann sich auf keinen Fall die Nasenhaare ausreißen, denn die Haarwurzeln ragen tief in den Schädel hinein, quasi bis ins Gehirn. Reißt man sie heraus, können sich die Stellen entzünden und eine tödliche Infektion nach sich ziehen.

Also mal ehrlich liebe Männer, das ist ja wohl eine ganz müde Ausrede dafür, dass ihr keinen Blick in den Spiegel werft und es euch gänzlich gleichgültig ist, wenn da schwarze Borsten aus den Löchern quellen!

Ich würde sagen: Dieses Risiko könnt ihr eingehen. Ihr seid doch sonst so mutig, tollkühn und Abenteuer lustig! Und sollte es schief gehen, könnt ihr gewiss sein, dass es eine großartige Beerdigung mit denkwürdigen Grabreden wird.

PS: Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen :-

Permanente Aktions-Struktur

Kennt ihr die Phrasen-Dreschmaschine? Nein? Dann sind euch hunderte von Formulierungen entgangen, die so ziemlich jeden menschlichen Zustand, jedes Vorhaben, jeden Planungsstand und überhaupt alles treffend beschreiben können. Lange bevor es die Bezeichnung “Buzz-Wort” gab, hat die Straelener Manuskripte Verlags-GmbH ein pfiffiges Tool entwickelt, mit dem man jeden Kontrahenten mundtot machen kann und in jeder Präsentation beeindruckt.

Drei nebeneinander liegende Pappscheiben ergeben durch Drehen eine Vielzahl hilfreicher Phrasen, die jedes Politikerherz höher schlagen lassen. Dabei ist egal, welchem Lager man angehört, denn es gibt eine progressive und eine konservative Seite:

progressive Seite der Phrasendreschmaschinekonservative Seite der Phrasendreschmaschine

Dieses wunderbare Spielzeug habe ich meinem Vater vor etlichen Jahren geschenkt. Irgendwann hatte sich der Reiz etwas abgenutzt, sie wanderte in eine Schublade. Jetzt habe ich sie bei der Durchsicht eines Schrankes wieder entdeckt und an mich genommen.

An der Wand über meinem Schreibtisch hat sie ihren Platz gefunden und erfreut mich mit immer neuen Kombinationen. Die permanente Aktions-Struktur habe ich gewählt, weil mir genau so etwas fehlt. Ich arbeite nicht zielstrebig genug an meinen Projekten. Daran erinnert sie mich jetzt gerade.

Frühlingserwachen

Unser Spaziergang führte uns an der Wieda entlang, über die Felder und ein Stückchen durch den Wald. Überall begegneten uns kleine Vorboten des Frühlings. Die Sonne brach zwar nur selten durch die Wolken, doch das Licht unterscheidet sich erheblich von dem, was wir im Winter als hell empfunden haben. Kleine zarte grüne Spitzen schauen aus dem Boden. Die Baumstämme leuchten grün vom Moos. Überall stehen die Knospen kurz vor dem Aufbrechen. Noch ein paar Stunden Sonnenschein und sie werden sich öffnen. Am Boden und in den Bäumen und Sträuchern hüpfen die verschiedensten Vögel herum. Bleibt man einen Augenblick stehen und schaut, so bemerkt man all das Leben um sich herum. Und natürlich hört man die umtriebigen Federtiere auch überall.

Wir waren mitten zwischen den Feldern, als uns ungewohnte Vogelrufe den Blick zum Himmel heben ließen. Es waren Krähen, die dort in tollkühnen Flugmanövern um Weibchen buhlten. Dabei konnten wir die immer gleiche Konstellation beobachten: Ein Vogel zog in gemächlichen Kreisen über den Himmel, während zwei andere dicht hinter- und übereinander flatterten und sich gegenseitig angriffen. Die Rufe waren heiser und fast höhnisch, das Flattern erzeugte einen pfeifenden Laut vom Luftwiderstand. Es war ein ziemliches Spektakel, bevor dann immer einer der beiden das Weite suchte. So konnten wir binnen einer Viertelstunde mindestens vier solcher Gespanne beobachten.

Die schönsten Frühlingsboten aber finden sich in den Vorgärten. Die Frühblüher erfreuen mit ihren Farben und Formen das Auge. Man spürt einen Kloß im Hals, wenn man die ersten Blüten an windgeschützten Stellen entdeckt – aber jetzt sind sie schon fast flächendeckend ausgebreitet und zeigen deutlich: Frühlingserwachen!

Ausschuss

In der Kategorie “Wort des Tages” hat es heute der “Ausschuss” auf den ersten Platz gebracht. Inspiriert wurde diese Wahl durch die Geschichte, die eine Kollegin heute erzählte:

Das gestrige Abendessen musste etwas früher und in Eile stattfinden, weil ihr Mann (Beruf: Lehrer) noch einen Termin hatte. Um genau zu sein, musste er noch zum Treffen eines Ausschusses, in dem er Mitglied ist.

Sie: “Weißt Du, in der Industrie ist der Ausschuss das, was nichts geworden ist, nichts taugt und daher entsorgt wird.”

Er findet es nicht witzig.

Trotzdem setzt die pubertierende Tochter noch einen drauf: “Na und ‘Mitglied’ ist ja wohl auch ein komisches Wort, oder?”

Die Frauen lachen. Er zieht von dannen.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was ist ein Experten-Ausschuss? Ein Gremium echter Experten oder doch nur ein Treffen von Nicht-Experten. Gerade mit Hinblick auf die abendlichen Talkshows  im öffentlich-rechtlichen Fernsehen tendiere ich mehr und mehr zu letzterem. Von den anderen “Talkshows” ohne Experten reden wir erst gar nicht, das ist definitiv nur Ausschuss.

Übrigens gibt es noch weitere derart irreführende Worte, manchmal steckt der Widerspruch im Wort selbst, manchmal in der Historie. Zum Beispiel Gewinnverlust (hä?) oder Demokratie. Wir verstehen Demokratie als die Gleichheit aller Bürger, die per Wahl die Entscheidungen für das Volk treffen. Bei uns werden die Worte Bürger und Volk meist synonym gebraucht. Als die Demokratie im antiken Griechenland erfunden wurde, wählten 500 freie Männer… Und zum Volk gehörten dann noch Männer ohne Wahlrecht, Frauen und Unfreie.

Es lohnt sich, den Worten auf den Grund zu gehen und genau hinzuschauen. Denn manchmal habe ich den Verdacht, dass Gesagtes und Gemeintes nicht für jeden identisch sind. Das trifft insbesondere auf Politikerworte zu. Moratorium? Aussetzung? Laufzeitverlängerung? Was meinen sie wohl wirklich so kurz vor den Landtagswahlen?

Programmierung

Keine Angst, es kommt nichts Technisches! Ich habe gestern Abend die DVD “Evolve your brain” (deutscher Titel “Verändern Sie Ihr BewusstSein”) gesehen. Es handelt sich um die Aufzeichnung eines Vortrags, den Dr. Joe Dispenza an einem Sonntagvormittag in Sydney gehalten hat. Darin beschreibt er, wie sich immer gleiches Tun und Gedanken, die auf immer gleichen Wegen wandeln körperlich manifestieren – im Gehirn durch Synapsen und regelrechte Autobahnen und im Körper durch die immer gleichen ausgeschütteten Botenstoffe und Hormone. Seine These: Der Körper wird zum Verstand und hält uns im Klammergriff unserer Gewohnheiten. Das ist jetzt eine sehr verkürzte Version, denn der ganze Vortrag dauerte etwa 2 Stunden.

Ausgehend von dieser Feststellung berichtete er von so genannten Spontanheilungen (gemeint sind Heilungen lebensbedrohlicher Krankheiten, die ohne Behandlung stattfanden). Er sei neugierig gewesen, was diese Menschen getan hatten, um diese Veränderung in ihrem Körper zu erzielen. Und er hat dabei vier Übereinstimmungen bei allen diesen Menschen gefunden:

  1. Sie waren überzeugt, dass es ein höheres Wesen gibt, dass in ihnen wirkt. Hier ist nicht Gott gemeint! Irgendjemand muss die Abläufe im Körper kontrollieren, denn wir tun es nicht auf bewusste Weise. An diese Kraft glaubten alle spontan geheilten Patienten.
  2. Sie suchten die Schuld für ihre Krankheit nicht außerhalb, sondern in ihrem eigenen Handeln und ihrer Lebensweise.
  3. Sie fingen an, sich Fragen zu stellen und damit ihre gewohnten Bahnen im Gehirn zu verlassen. Sie wollten wissen, wie es sich anfühlt, glücklich zu sein. Sie fragten sich, was sie glücklich machen würde. Usw.
  4. Während ihres Nachdenkens verloren sie das Gefühl für Raum und Zeit.

Auf diese Weise konnten sie die Gehirnregionen, die für die immer gleichen Abläufe verantwortlich war, zeitweilig deaktivieren und neue Bahnen anlegen. Sie haben buchstäblich ihr Gehirn neu aufgebaut, dadurch, dass sie sich Fragen gestellt haben! Ihre Ärzte beschrieben die Patienten durchweg als etwas merkwürdig.

Das ist beeindruckend.

Das können wir alle jeden Tag tun. Wir nehmen uns so oft vor, etwas zu verändern und verfallen wieder in alte Gewohnheiten. Dazu hatte Dr. Dispenza einige sehr amüsante Beispiele, die den Zuhörern den Spiegel vorhielten. Warum tun wir das? Weil die Programmierung unseres Gehirns dazu geführt hat, dass wir uns an bestimmte Botenstoffe gewöhnt haben, der Körper danach verlangt und wir immer wieder rückfällig werden.

Ich stelle euch heute die Frage: Wie fühlt es sich an, glücklich zu sein? Was müsstest Du tun, um glücklich zu sein? Auf dass uns allen neue Gedanken ereilen und wir die Programmierung ändern können.

Ach ja, noch etwas: Alle Patienten waren extrem dankbar für jeden Tag, den sie erleben konnten… Wenn wir dankbar sind, sind Verstand und Körper in Einklang. Dann geht es uns gut. Ich glaube, gerade in diesen Tagen können wir zutiefst empfinden, was Dankbarkeit ist und wie sehr wir jeden Tag als Geschenk annehmen können.

Vorfreude

Vorfreude ist die schönste Freude.

So sagt man. Ich bin nicht sicher, ob das stimmt, aber es ist zumindest das erste, was einem zu diesem Wort einfällt, oder? Ich finde aber Vorfreude ist etwas sehr Kompliziertes. Je konkreter der Anlass für die Vorfreude ist, desto schwieriger wird es. Nehmen wir mal an, Dein Geburtstag steht vor der Tür. Vielleicht hast Du Gäste eingeladen, eine Feier geplant oder weißt, dass Deine Familie diese für Dich plant. Worauf freust Du Dich dann? Auf eine Gesamtsituation, die positiv besetzt ist. Tante xy kommt und wird uns alle mit ihren Geschichten zum Lachen bringen. Meine Eltern/Großeltern/Partner haben sicher ein tolles Geschenk für mich. Es wird leckeres Essen geben… Eben das ganz normale Geburtstagsdrumherum. Darauf kann man sich freuen und irgendwie wird es sicher ein schöner Tag.

Jetzt nehmen wir mal an, Du kaufst Dir eine Konzertkarte. Das Konzert findet aber erst in 4 Monaten statt. Wie geht es Dir damit? Du freust Dich auf das Konzert – sonst hättest Du Dir die Karte nicht gekauft. Du denkst, es ist noch endlos lang hin. Dann vergeht die Zeit und Du fieberst dem Ereignis entgegen. Ganz plötzlich steht es vor der Tür und was fühlst Du? Vorfreude?

Nein, die Vorfreude ist weg. Du denkst darüber nach, was Du anziehen sollst. Du traust dem Wetter nicht und verabschiedest Dich von Deinen Lieblingspumps und dem neuen Rock, weil es regnet und Du nicht weißt, wie weit Du laufen musst vom Auto/Bus/Bahnhof aus. Dann bekommst Du Kopfschmerzen oder siehst im Fernsehprogramm, dass es etwas gibt, was Du schon immer mal sehen wolltest. Vielleicht ist für den nächsten Tag ein beruflicher Termin angesetzt worden, bei dem Du fit und ausgeschlafen sein musst… Weg ist sie, die lang gehegte Vorfreude.

Wenn mir also jemand von Vorfreude erzählt, werde ich hellhörig. In welche Phase befindet er oder sie sich gerade? Ist es noch die pure Vorfreude des “Ich kann es kaum erwarten” oder schon die “Der Termin rückt näher”-Phase?

Egal, die Vorfreude müssen wir uns erhalten. Meistens sind alle Bedenken der letzten Minute nämlich völliger Quatsch. Der Abend, das Konzert, die Leute – alles wird toll. Hinterher hat man wunderbare Laune und schwelgt in der Atmosphäre, die man gerne in Flaschen füllen und im Keller für schlechte Zeiten einlagern möchte. 4Warum erzähle ich euch das?

  1. Ich habe heute diverse Konzertbesuche zugesagt.
  2. Ich habe nie die Sachen im Schrank, die ich eigentlich gerne anziehen würde.
  3. Irgendwas ist immer, was auch mir die Vorfreude verderben will.
  4. Da stehe ich jetzt drüber und freue mich einfach schon mal auf all die tollen Abende!

Sonntag

Was mag an dem Wort “Sonntag” besonders sein, dass ich es zu meinem Wort des Tages gekürt habe, mögt ihr fragen. Es ist Fastenzeit – für die, die es noch nicht mitbekommen haben – und in der Fastenzeit nimmt man sich vor, 40 Tage lang auf etwas zu verzichten. Bei mir sind es Computerspiele, bei meinem Mann sind es Kuchen und Kekse. Soweit, so gut. Der Sonntag ist aber auch in der Fastenzeit ein Feiertag, und deshalb wird sonntags nicht gefastet.

Es ist etwas Besonderes, wenn man dann an diesem einen Tag in der Woche weniger streng zu sich sein muss. Wir haben heute ein Stück Kuchen und zwei Kekse gegessen und das genossen. Mein Mann hat vor allem den Genuss des eigentlichen Essens gespürt, mir tat es gut, dies gemeinsam und sehr achtsam zu tun. Es war nicht alltäglich, nicht beliebig, sondern Sonntag!

Ich bin weder religiös, noch gläubig, gehöre keiner Kirche an und zweifele daran, dass es einen strafenden Gott gibt, der uns die Bissen in den Mund zählt. Trotzdem finde ich es (innerlich) bereichernd, diese Fastenzeit erstmals bewusst zu erleben. Theoretisch dürfte ich heute auch am Computer spielen oder mich vor die Wii setzen, aber das Verlangen habe ich gar nicht. Ich weiß ja, dass ich das in 7 Tagen wieder darf, wenn ich will. Aber wenn meine Fastenplanung aufgeht, will ich das ohnehin nie wieder so sehr :-)

Ich wünsche euch einen schönen, bedeutsamen Sonntag! Genießt die Sonne, genießt euer Zusammensein mit anderen! Genießt den Feiertag.

Nukular

Mein Wort zum heutigen Tage lautet “Nukular”. Zur Erläuterung guckt bitte hier: http://www.youtube.com/watch?v=YZMsNpyaHcA 

Gestern hatte bereits jemand in meiner Timeline diesen Link getwittert und ich bin ihm gefolgt. Zunächst fand ich es typisch Homer und daher nicht witzig – zumal in der Situation, in der sich Japan derzeit befindet. Aber das Wort ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Heute, als sich die Nachrichten über den möglichen GAU nach der Explosion in Fukushima überstürzten, widersprachen und immer neue Experten befragt wurden, wurde es mir bewusst. Homer trifft den Nagel auf den Kopf!

Warum? Diese ganzen Experten fachsimpeln über Dinge, die sie gar nicht beurteilen können. Wir wissen alle nicht, wie es in dem AKW aussieht. Können wir auf Fernsehbildern sehen, was genau explodiert ist? Wissen wir, ob die Brennelemente schon freiliegen oder noch unter einer dicken Decke von Blei und Beton? Nein! Und das kann Experte XY auch nicht.

Am schlimmsten sind unsere Politiker. Wir haben eine Physikerin als Kanzler, die die Gefahren von Atomkraftwerken für gering hält, die glaubt, unsere Technik würde uns vor einem GAU bewahren, die die Laufzeiten der deutschen AKW einfach mal verlängert, obwohl etliche längst abgeschaltet und ausgemustert gehören. Ihren neuesten Äußerungen zufolge sind wir übrigens in Gottes Hand. Wo bleibt da die Sicherheit, die Wissenschaft, die moderne Technik?

Fehlt nur noch, dass sie uns sagen: “Das Wort heißt Nukular.” Selbst dann wird es ein paar Idioten geben, die ihnen glauben.

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