1. Fastenwoche – Zwischenbilanz

Die erste von sieben Fastenwochen ist geschafft. Ich habe jetzt seit einer Woche auf alle PC-Spiele, auf das DS und die Wii verzichtet. Nur einmal habe ich für 20 Minuten Wii gespielt, jedoch nicht allein, sondern in Gesellschaft. Das hatte ich ja ausdrücklich ausgeklammert aus meinem Fastenvorhaben. Der Unterschied liegt für mich darin, dass ich in einem Fall, mit jemandem gemeinsam Zeit verbringe, im anderen Fall, schlage ich die Zeit nur tot. Letzteres war und ist bis Ostern tabu.

Wie fühlt es sich nun an, auf etwas zu verzichten, was man vorher im Übermaß getan hat, obwohl man sich selbst geekelt hat? Gut! Mir fehlt nichts. Ich spürte nur ganz selten etwas, dass man als bewussten Verzicht bezeichnen muss. In einem Fall habe ich den PC ausgeschaltet, um der Versuchung nicht weiter ausgesetzt zu sein. Aber es war problemlos umzusetzen.

Viel schwieriger ist nun etwas Anderes: Die Spiele haben viel Zeit verschluckt. Zeit, die ich jetzt zusätzlich habe. Das ist eigentlich sehr positiv und deshalb mache ich das ganze ja auch. Nun kommt nach einer Woche jedoch die Erkenntnis, dass ich mit dem reinen Verzicht noch keinen großen Schritt weitergekommen bin. Ich nutzte die entstandenen Freiräume nur in geringem Maße für meine Ziele. Daher werde ich für die restliche Zeit noch deutlich strenger mit mir sein müssen. Vom reinen Verzicht hin zur Stattdessen-Tun. Wenn ich Spiele gegen Twitter oder Blogs oder Foren tausche, habe ich (zu) wenig gewonnen. Die neu gewonnene Zeit für meine Projekte zu nutzen ist der entscheidende zweite Schritt auf meinem Weg.

Sonntag

Was mag an dem Wort “Sonntag” besonders sein, dass ich es zu meinem Wort des Tages gekürt habe, mögt ihr fragen. Es ist Fastenzeit – für die, die es noch nicht mitbekommen haben – und in der Fastenzeit nimmt man sich vor, 40 Tage lang auf etwas zu verzichten. Bei mir sind es Computerspiele, bei meinem Mann sind es Kuchen und Kekse. Soweit, so gut. Der Sonntag ist aber auch in der Fastenzeit ein Feiertag, und deshalb wird sonntags nicht gefastet.

Es ist etwas Besonderes, wenn man dann an diesem einen Tag in der Woche weniger streng zu sich sein muss. Wir haben heute ein Stück Kuchen und zwei Kekse gegessen und das genossen. Mein Mann hat vor allem den Genuss des eigentlichen Essens gespürt, mir tat es gut, dies gemeinsam und sehr achtsam zu tun. Es war nicht alltäglich, nicht beliebig, sondern Sonntag!

Ich bin weder religiös, noch gläubig, gehöre keiner Kirche an und zweifele daran, dass es einen strafenden Gott gibt, der uns die Bissen in den Mund zählt. Trotzdem finde ich es (innerlich) bereichernd, diese Fastenzeit erstmals bewusst zu erleben. Theoretisch dürfte ich heute auch am Computer spielen oder mich vor die Wii setzen, aber das Verlangen habe ich gar nicht. Ich weiß ja, dass ich das in 7 Tagen wieder darf, wenn ich will. Aber wenn meine Fastenplanung aufgeht, will ich das ohnehin nie wieder so sehr :-)

Ich wünsche euch einen schönen, bedeutsamen Sonntag! Genießt die Sonne, genießt euer Zusammensein mit anderen! Genießt den Feiertag.

Mal leicht, mal schwer

Heute ist der dritte Tag der Fastenzeit und ich habe zwei Extreme kennengelernt. Am Mittwoch fand ich es schwierig, nicht auf die bekannten Spiele zuzugreifen, mir damit die Zeit zu vertreiben. Ich saß vor dem Computer und lenkte mich stattdessen mehr mit Twitter und Blogs ab, schrieb aber auch Mails und tat andere sinnvolle Dinge. Der Reiz, nur mal schnell mit einer Patience wie “Spider Solitaire” ein bisschen zu entspannen, war groß. Da habe ich den Computer lieber ausgemacht und mich in dieser Weise von einem Rückfall in ungewollte Gewohnheiten abgehalten.

Gestern das ganze Gegenteil. Da ich im Büro war, hatte ich nur am Feierabend etwas Zeit, am Laptop zu sitzen. Ich schaffte es, meine Mails zu lesen, meine Lieblings-Blogs zu lesen, zwei Kommentare zu schreiben und im NaNo-Forum eine Mail zu beantworten. Damit war die freie Zeit schon aufgebraucht. Die Gelegenheit, rückfällig zu werden und das Fasten zu brechen, gab es glücklicherweise gar nicht.

Ich sehe also, dass es Tage mit unterschiedlichen Intensitätsstufen gibt, die ich im Blick behalten muss. Heute muss ich deutlich mehr aufpassen, denn ich bin zuhause. Dass ich dennoch arbeiten muss, macht es sicher wieder etwas leichter, zu widerstehen.

Gucke ich mir im Fastenforum an, was manche Leute sich vorgenommen haben, bin ich überrascht. Von der täglichen Flasche Rotwein ist da die Rede, von ununterbrochen laufenden Fernsehgeräten, von der Abhängigkeit von männlicher Aufmerksamkeit… Andere wollen gleich ihr ganzes Leben in 7 Wochen verändern: positiv sein, aktiv, achtsam, tolerant, geduldig, lächeln, loben, danken, beten, auf wesentliche Lebensmittel ganz verzichten… Ich glaube nicht, dass man mit solchen Universalvorhaben Erfolg haben kann. Ich glaube, dass man sich damit nichts Gutes tut, wenn man sich überfordert – und sei es nur für 7 Wochen. Mein Vorhaben sieht dagegen bescheiden und klein aus. Aber ich habe die berechtigte Hoffnung, dass ich die Gewohnheit nach 7 Wochen gebrochen und eliminiert habe. Nächstes Jahr kann ich mir dann die nächste Gewohnheit vornehmen, die ich in meinem Leben nicht mehr haben will.

PS: Dies sind die Blogs, die ich derzeit täglich lese http://puschenruebe.wordpress.com/ und http://www.wildbits.de/

Eigentlich bin ich ganz anders…

…nur komm ich so selten dazu! (Ödön von Horvath)

Willkommen in der Fastenzeit! “7 Wochen anders leben” verspricht der Andere Zeiten e.V. mit seiner Fastenaktion, die ich erstmals mitmache. Fasten? Was soll das bringen? Letztes Jahr bin ich auf diese Aktion aufmerksam geworden, habe aber nur halbherzig daran gedacht, ohne etwas zu verändern. Dieses Jahr habe ich rechtzeitig die wöchentlichen “Fastenbriefe” bestellt und mich ernsthaft gefragt, was ich denn fasten könnte – es muss ja kein Fleisch sein. Vorschläge enthielt die vorab versendete Fastenbroschüre zur Genüge. Dabei fiel mir auf, wovon man alles zuviel (oder zu wenig) haben kann. Einige Vorschläge waren daher völlig unbrauchbar für mich, wie auf Kaffee, Alkohol oder Zigaretten zu verzichten. Andere fand ich passend, aber weniger dringend oder ganz ehrlich zu schwierig für mich. 7 Wochen ohne Schokolade oder ohne Tee? Undenkbar! Natürlich sind das alles nur Vorschläge gewesen, manche sogar konträr: Ja sagen und Nein sagen lernen zum Beispiel. Jedem das seine.

Ich erhoffe mir, eine erhöhte Aufmerksamkeit von diesen sieben Wochen. Ich will mir bewusst werden über Dinge, die ich im Alltag zu wenig wahrnehme. Ganz konkret: Ich faste Computerspiele. Gemeint sind diese kleinen Spielchen wie Mahjong, Solitaire, Minesweeper, oder in meinem Fall Luxor und Konsorten. Diese dauern jeweils nur Minuten und fressen im Laufe eines Tages, einer Woche oder 7 Wochen so viele Stunden kostbarer Lebenszeit, dass es mir hinterher immer entsetzlich leid tut. Also, verzichte ich darauf. Ebenso auf Spiele auf dem DS oder an der Wii. Zwei Ausnahmen gibt es: Die Sims, da sie völlig anders angelegt sind und daher anders gespielt werden, und Wii, wenn ich nicht allein spiele. Als geselliger Zeitvertreib hat das Spielen eine andere Bedeutung und fällt daher nicht unter die Zeit-Totschlagen-Fasten-Regel.

Dadurch wird viel Zeit frei für andere Tätigkeiten. In meinem Fall wird davon in erster Linie das Schreiben profitieren.

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