Gegen Gauck

Heute mal ein ganz anderes Thema, als ihr es sonst von mir gewöhnt seid. Sozusagen “aus aktuellem Anlass”… Offenbar sind ja nun alle total glücklich, dass sich mit Joachim Gauck ein Mann für das Amt des Bundespräsidenten gefunden hat, der allen Ansprüchen gerecht wird. Die Opposition hat ihn aufgestellt, die FDP als Druckmittel genutzt und die CDU schließlich eingelenkt. Sicher ist Joachim Gauck ein respektabler Mann, einer der integer ist, seine Meinung vertritt und nicht allzu viel Dreck am Stecken hat. Angeblich steht sogar das Volk hinter ihm…

Tja, ich nicht.

Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, muss hier einfach mal meine Vorbehalte gegen ihn nennen.

1. Er ist mit 72 Jahren ziemlich alt. Das als solches wäre vielleicht noch nicht schlimm (man denke nur daran, wie viel Ehrensold wir sparen, wenn er nicht noch Jahrzehnte lang bezahlt werden muss). Für mich steht Gauck aber immer für Vergangenheit, nicht für Zukunft. Ein Bundespräsident sollte aus meiner Sicht heraus jedoch nach vorne weisen, nicht nur nach hinten mahnen.

2. Er ist Pfarrer. Ich gehöre keiner Glaubensgemeinschaft an und fühle mich von Theologen nicht vertreten, nicht mal angesprochen. Wenn wir nun einen Mann als ersten Vertreter des Staates berufen, der sich einer bestimmten Glaubensrichtung besonders verbunden fühlt, spricht er nicht mehr für alle. Außerdem hasse ich es, wenn mir Moral gepredigt wird.

3. Er hat sich zu vielen Diskussionen geäußert – was gut ist für einen Präsidenten! – leider hat sich dabei gezeigt, dass ich in keinem relevanten Punkt mit ihm übereinstimme: Er ist für den Krieg in Afghanistan, hat sich für den Einsatz in Libyen ausgesprochen, findet die Occupy-Bewegung “albern”, will die Wirtschaft nicht durch staatliche Eingriffe zähmen… Um nur mal die wichtigsten Dinge der aktuellen Ereignisse zu nennen.

4. Aufgrund der Ausgewogenheit hätte ich gerne einen Bundespräsidenten aus den alten Bundesländern. Irgendwo möchte ich auch meine Erfahrungen und meine Geschichte an der Spitze dieses Staates eingebracht wissen. Wir mögen ursprünglich ein Volk gewesen sein, wir wachsen auch wieder zu einem zusammen, aber die Erfahrungen beider Teile sind unterschiedlich und sollten präsent bleiben.

Ich weiß, meckern kann jeder. Vorschläge sind gefragt! Für mich muss ein Bundespräsident die Zukunft vertreten. Wie wäre es mit einem Uni-Dekan, der sich der Wissenschaft, der Lehre und der Förderung des Nachwuchses verpflichtet fühlt? Was ist mit einem Schriftsteller? Ich könnte mir jemanden wie Roger Willemsen, der die Welt bereist hat, mit Menschen spricht, eine Meinung hat und ein Meister des Wortes ist, sehr gut als Bundespräsidenten vorstellen.

Eine Wahl mit nur einem Kandidaten ist jedenfalls eine Farce!

Mein erstes Smartphone

Nun ist es also da: Das neue kleine technische Spielzeug, das mir das Leben versüßen soll, indem es Wartezeiten verkürzt, wichtige Informationen überall verfügbar macht und mich im Kontakt mit der virtuellen Welt hält. Nein, diese Zeilen sind noch nicht auf dem Galaxy S Plus geschrieben, aber möglich wäre es natürlich. Allerdings vermisse ich auf dem guten Stück das deutsche “ß”… Falls es jemand gefunden hat, bitte melden! Ich hasse es, bewusst falsch zu schreiben!!!

Die letzten Stunden – ich gebe es zu – habe ich mich damit beschäftigt, mich mit dem Ding vertraut zu machen. Es fällt mir noch nicht so ganz leicht, mich durch alle Funktionen durchzuwursteln, aber wird. Die meisten vorinstallierten Apps verstehe ich nicht – da muss ich erstmal nachsehen, wofür sie zu gebrauchen sind – dafür habe ich schon eine Handvoll zusätzliche installiert. So gleicht sich das aus. Etwas irritiert bin ich, weil ich keine Möglichkeit finde, meine Kontakte von A nach B zu exportieren/importieren, aber vielleicht ist es auch gut so. Fallen gleich ein paar Karteileichen weg :-)

Zum Jahresanfang – und Wöchentlicher Kritzelspaß

… möchte ich euch meine guten Vorsätze für 2012 präsentieren.

Devona stellte im Kritzelforum die Wochenaufgabe und die lautete:

verpackt einfach irgend etwas, was ihr mit dem neuen Jahr vebindet in Eure Kritzelei…Wünsche, Vorhaben, oder einfach einen Impuls, der Euch bei dem Gedanken an das kommende Jahr überkommt….

Knobele ich sonst immer lange auf den Vorgaben und Anregungen herum, so fiel es mir dieses Mal ganz leicht. Naja, zumindest DACHTE ich das. In Wirklichkeit hat es mehrere Anläufe gebraucht, um meine Idee so umzusetzen, dass sie mir gefiel. Nachdem ich einige Papiere in verschiedenen Formaten begonnen, verworfen und weggeworfen hatte, tat ich den Sprung ins kalte Wasser und malte direkt in mein Journal (Moleskine Sketch Book, ca. DIN A4). Verwendet habe ich dafür einen Sakura Pigma Micron 01, diverse Faber-Castell Albrecht Dürer (Aquarell-Buntstifte) und Faber-Castell Pitt Artist Pen (mein wunderbares Weihnachtsgeschenk!).

Gute Vorsätze

Das sind jetzt nur die wichtigsten Vorsätze – die, die ich öffentlich kundtun kann :-) – Was verbirgt sich hinter den Ecken? Für den Beruf muss ich unbedingt sicherer werden in der englischen Schriftsprache.

Meine große Liebe, was das Wissen angeht, ist nach wie vor die Geschichte. Da werde ich 2012 sicher etliche Bücher zu lesen, Dokumentationen sehen, Ausstellungen besuchen.

Insgesamt will ich mindestens 50 Bücher lesen. Den Fortschritt kann man hier verfolgen. 2011 bin ich auf 48 Bücher gekommen – und sehr viele angefangene. Auf meinem aktuellen SUB liegen 20 Bücher, die ich schon auf einer Liste versammelt habe, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Im März werde ich einen Lesemarathon machen, damit ich dieses Mal alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe. Mehr dazu rechtzeitig im Voraus.

Und natürlich wird es ein kreatives Jahr, in dem ich kritzeln, zeichnen und malen werde. Nach und nach kommen mehr Materialien und neue Techniken dazu. Mit dem Buch “Wasserfarbe für Gestalter” will ich mein Repertoire erweitern, die Bestellung eines Aquarellkastens (Schmincke Akademie, 24 halbe Näpfchen) ist schon in Bearbeitung.

 

Es wird mir sicherlich nicht gelingen, aus meinem Blog ein 365-Projekt zu machen. So oft komme ich einfach nicht zum Kritzeln, Fotografieren oder schreiben, aber ich denke doch, dass meine Vorhaben und mein Alltag viele Artikel hier hervorbringen werden. Ich freue mich darauf. Und ihr hoffentlich auch!

Zum Jahresende

…wünsche ich euch einen guten Rutsch und alles Gute für 2012! Möge es ein Jahr werden, in dem gute Nachrichten die schlechten überwiegen. Haken wir die Sorgen und Katastrophen von 2011 erstmal ab und stürzen uns voller Energie auf das neue Jahr, damit wir unsere Vorhaben umsetzen können, unsere Ziele erreichen und dabei gesund und fröhlich bleiben.

Freuen wir uns auf neue Menschen, neue Ideen, neue Anregungen. Wie wäre es mit einer neuen Sprache, einem kreativen Hobby oder einer Sportart, die uns schon lange reizt? “Wenn nicht jetzt, wann dann?” heißt es im Lied – und genau das ist die richtige Stimmung für Silvester, vor allem aber für Neujahr. Genießt die Aufbruchstimmung, genießt das Wissen, dass die Tage schon wieder länger werden. Ich tue es auch.

 

In diesem Sinne verabschiede ich mich für dieses Jahr und freue mich im nächsten Jahr wieder über eure Kommentare und all die stummen Leserinnen und Leser meines Blogs.

Wo bleibt die Kreativität?

Der eine oder andere mag sich in den letzten Tagen gefragt haben, wie es mit meinem Projekt zur Kreativität aussieht und ob es da noch eine Fortsetzung geben wird. Ja, wird es. Ich sitze derzeit an einem Artikel zum Thema Wahrheit und Kreativität – ungeahnt aktuell nach dem Comeback-Versuch von Karl Theodor. Auch die weiteren angekündigten Themen werden noch veröffentlicht, allerdings in loser Folge. Ich denke, dass mich dieses Projekt noch den ganzen restlichen Dezember mit beschäftigen wird.

Kreativität in der Selbstdarstellung

Ich will meiner Einzigartigkeit Ausdruck verleihen. Die Kunst, sich selbst darzustellen

Wir kennen das von Preisverleihungen, Galas und Auftritten auf dem roten Teppich. Sehen und gesehen werden ist alles. Welcher Star kommt in welchem Outfit, wie sind die Haare gemacht, welcher Schmuck wird verwendet, welche Schuhe runden die Gesamterscheinung ab? Jeden Tag gibt es Fernsehsendungen, die sich nur mit solchen Fragen beschäftigen, ganz abgesehen von den vielen Zeitschriften, Magazinen und Internetseiten. Musikvideos werden genutzt, um sich in einen Kontext zu stellen oder mal eine neue Seite von sich herauszukehren. Man denke nur an Madonna, die sich immer wieder neu erfunden hat – aber das sagte ich in Bezug auf Mode schon, glaube ich. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus den Möglichkeiten, sich selbst darzustellen. In Interviews werden vermeintliche Macken und Ticks „offenbart“, damit das schillernde Bild etwas Tiefe bekommt, damit aus dem Abziehbild ein Mensch wird. Da erfahren wir dann, dass George Clooney Furzkissen witzig findet oder ähnliche Absurditäten, die niemand wirklich wissen will. Über sich selbst zu sprechen kann eine weitere Dimension eröffnen und wird deshalb gerne genutzt.

Merke: Öffentliche Auftritte bei Benefiz-Veranstaltungen dienen nicht nur der guten Sache an sich, sondern auch der guten Sache am Ich.

Hinzu kommen die professionellen (Selbst-)Darsteller, die oft eine Rolle in der Öffentlichkeit spielen. Man denke nur an die Figuren der Travestiekünstler, die einem geläufiger sind als die Personen dahinter – Georg Preusse? Ah, Mary! Auch einige Comedy-Künstler pflegen so ein zweites, drittes, viertes Ich. Diese Art der Darstellung hat aber nichts mehr damit zu tun, sich und seine Persönlichkeit darzustellen, darum wird sie hier nur erwähnt.

Selbstdarstellung speziell bei Prominenten auf dem absteigenden Ast, nimmt oft eine peinliche Form an. Damen ziehen sich entweder für Männermagazine aus oder fangen eine chaotische Liebesbeziehung an. Herren gehen besonders gerne ins Dschungel-Camp (und fangen dort chaotische Liebesbeziehungen an) oder sie biedern sich als Moderatoren an. Gerne gehen sie auch auf Luxusschiffe, um gelangweilte Millionäre zu unterhalten. Naja, wie dem auch sei, das hat mit Persönlichkeit dann gar nichts mehr zu tun, nicht wahr?

Jenseits von B-Promis und Travestie gibt es aber auch für uns „Normalos“ die Möglichkeit mit kreativen Mitteln die eigene Persönlichkeit zu unterstreichen. Es geht mir hier nicht darum, wie man auf die Titelseite einer Boulevard-Zeitung kommt oder einen Platz im Assi-TV ergattert. Dazu braucht man wahrscheinlich professionellen Rat. Ich will auch niemanden ermutigen, seinem Umfeld etwas vorzuspielen, was er oder sie nicht ist. Das ist eine Art von Versteckspiel, die nur in den seltensten Fällen gut geht und daher keine Lösung für grundlegende Probleme ist. Insofern sind die folgenden Anregungen nur als Ideen zu verstehen, mehr Harmonie zwischen innen und außen der eigenen Persönlichkeit herzustellen. Bereit?

Was unterstreicht meine Persönlichkeit im alltäglichen Leben?

Von den erfolgreichen Promis können wir lernen, dass Aussehen tatsächlich etwas über uns aussagt. Vergessen wir mal die Paparazzi-Bilder, die unsere Stars so gemein ablichten, wenn sie nicht hergerichtet sind und konzentrieren uns auf die guten Auftritte. Dabei ist nicht wichtig, ob das eigene Outfit einem Trendlabel entsprungen ist und sündhaft teuer war, sondern ob es zu mir passt. Dazu muss es zum einen um den Körper herum vorteilhaft sitzen, aber auch mit dem inneren Selbst harmonieren. Zwar können Gegensätze auch mal ganz nett sein – biederes Kostüm am flippigen Künstler – aber wirklich entsprechen und unterstützen tun sich beide dann nicht. Wenn ich voller Ideen bin, dann ist es mir ein Graus, langweilige Klamotten von der Stange anzuziehen, ohne sie mit ein paar Accessoires aufzumotzen. Wer Farben mag, zieht sie auch an! Achtung: Nur weil man Farben mag, sollte man dennoch nicht in den Schminktopf fallen, dort sind Farben nur in Maßen unterstützend!!! Wer die Natur liebt – also in Form und Farbe, nicht als Ökofreak – wählt Blumenmotive und Farben, die sonst nur auf Schmetterlingsflügeln und im Gefieder eines Vogels harmonieren. Der Öko-Freak hingegen bevorzugt robustes Material in schmutzabweisenden Farben. Erstaunlicherweise zieht auch der Naturbursche heute eher Kunstfasern als Wolle an. Eine ganze Maschinerie setzt sich mit dem Trend auseinander, für das Draußen gerüstet zu sein. Das trägt man dann eben aber auch im Großstadtdschungel. Herrlich dieses Gefühl, dass einem nichts passieren kann, egal, was die Natur sich einfallen lässt. Das ist sozusagen die Basis.

Darüber hinaus sollte man auf seine Äußerungen achten, wenn man auf gewünschte Weise wirken will.

Äußerungen sind die Dinge, die von innen nach außen dringen, und zwar ganz eindeutig meist verbal, also in Worten. Es ist ein großer Unterschied, welcher Sprache ich mich bediene. Spreche ich einen Dialekt oder gar einen Slang? Das bringt mich in eine Schublade bei meinen Zuhörern. Will ich diese Schublade, dann pflege ich diese Ausdrucksform, will ich aus der Schublade raus, muss ich meine Ausdrucksweise ändern. Je nachdem welchem politischen Lager ich angehöre, verwende ich bestimmte Vokabeln wie Schlüsselworte. Daran bin ich erkennbar. Und ich spreche nicht von extremen Lagern, die sich in ganz eigenen Codes verständigen. Es ist eine Frage, ob ich mich progressiv, konservativ, liberal oder ökologisch zugehörig fühle. Ich kann pessimistisch oder optimistisch sein und das hört man ebenfalls in meinen Kommentaren zu allem und jedem. In bestimmten Berufen gehören spezielle Floskeln dazu. Benutzt man sie nicht, gehört man nicht richtig dazu – bzw. wird von anderen nicht dort gesehen. Wenn ich mir als Ökonomin einen Namen machen will, muss ich Brutto und Netto auseinander halten können, sonst wird das mit dem professionellen Eindruck nichts. Jeder Beruf hat so seine eigenen Anforderungen. Und wenn ich als Fachmann akzeptiert werden will, muss ich mir dessen zumindest bewusst sein. Verbale Äußerungen sind das eine, Blogs, Websites, Tweets, Artikel in Fachzeitschriften, Mitgliedschaften in Netzwerken vervollständigen das Bild, das andere sich von einem machen.

Kleidung, Styling, Vokabular – und natürlich das persönliche Umfeld

Wenn ihr jemanden zu euch nach Hause einladet, dann zeigt ihr ihm noch mehr von euch. Die eigene Wohnung ist in dieser Hinsicht sehr privat. Das seid ihr – ausgedehnt auf zwei, drei, vier oder noch mehr Zimmer. Seid ihr das wirklich? Oder ist es nur ein Ort, an dem ihr eure Zeit verbringt? Ich will hier keinen Werbeslogan wiederholen, aber natürlich ist es ein Unterschied, ob ihr euch nur eingerichtet habt oder euer Umfeld nach euren Vorstellungen gestaltet habt. Ich kenne da inzwischen genug Blogger, die mich mit ihrer Kreativität beeindrucken, die sie in ihren eigenen vier Wänden entwickeln. Das ist mir bislang so gar nicht gelungen. Es ist auch schwieriger, das zu zweit zu entwickeln, als allein, habe ich inzwischen ebenfalls gelernt.

Aber ich bin fest davon überzeugt, dass man glücklicher ist, wenn innen und außen zusammenpassen. Wenn ihr nicht sicher seid, was eurer Persönlichkeit entspricht und was ihr hervorheben wollt, dann geht tief in euch selbst. Was ist euch wichtig? Was wollt ihr anderen über euch mitteilen? Und wie könnt ihr den Eindruck verstärken? Besonders bewusst wird es einem, wenn man falsch wahrgenommen wird. Wie kam derjenige zu seiner Einschätzung? Was habe ich vermittelt? Wie kann ich das in Zukunft vermeiden, besser machen, richtig stellen? Ich selbst gehe auf diesem Weg nur langsam voran, aber das heißt nicht, dass ich das Ziel nicht irgendwann erreichen werde. Bist Du schon auf dem Weg zu Dir?

Kreativität bei Konsum und Gadgets

Was könnten wir sonst noch brauchen? Auf der Suche nach neuen Werkzeugen, Industriedesign und witzigen Gadgets.

Kennt ihr den Loriot Zeichentricksketch, wo in einer Fernsehsendung der „Familienbenutzer“ vorgestellt wird? Im Rahmen der „Weihnachten mit Familie Hoppenstedt“ sieht Dicki (das Kind, von dem man nicht erfährt ob es Mädchen oder Junge ist) das im Fernsehen – und wir gleich mit. Also was ist ein „Familienbenutzer“? Es handelt sich um ein Stück Gummi oder Latex oder was auch immer, das entfernte Ähnlichkeit mit den Klingeln an Hotelrezeptionen hat. Auch der Vergleich mit einem Pümpel drängt sich auf. Auf andere Ähnlichkeiten gehe ich hier jetzt nicht ein… Der Familienbenutzer hat oben eine kleine gerundete Spitze und der einzige Sinn des Dingens besteht darin, mit dem Finger auf diese Spitze zu drücken und beim Loslassen ein leises Ploppgeräusch zu erzeugen. Die Frau, die das Gerät vorstellt preist es als ideales Weihnachtsgeschenk für Menschen, die schon alles haben. Aber selbst der Fernsehmoderator ist skeptisch, zudem vertut er sich ständig und nennt es „Familienverwender“, was die Dame fürchterlich in Rage bringt. Dicki schaltet das Gerät dann schnell mit einem gezielten Fußtritt wieder ab. Das ist eine wirklich absurde Geschichte, ganz mit dem hintersinnigen Humor des Herrn von Bülow ausgestattet.

Doch was steckt dahinter?

Natürlich geht es um den Konsum, gerade zur Weihnachtszeit – apropos habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen? – aber es geht um noch etwas Anderes. Nicht nur der Konsument wird vorgeführt und soll sich ertappt fühlen, sondern auch diejenigen, die uns mit immer neuen Ideen das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Am auffälligsten finde ich es im Küchenbereich. Was gibt es da nicht alles, das uns das Leben und speziell das Kochen erleichtern soll!!! Ein ganz besonders interessantes Hilfsmittel fand ich das Spaghetti-Maß. Kennt ihr nicht? Das ist ein Blech mit verschieden großen Löchern, die Portionen zugeordnet sind. Also, wenn ich für eine Person Spaghetti kochen will, brauche ich so viele rohe Spaghetti, wie durch das kleinste Loch passen. Für zwei Portionen nehme ich das nächst größere Loch usw. Ich hatte so ein Ding tatsächlich mal geschenkt bekommen. Mann, dabei ist es so einfach, mir etwas zu schenken, worüber ich mich wirklich freue! Jedes Buch wäre willkommener gewesen, glaubt mir. Also zurück zum Spaghetti-Maß. Da stand ich nun und wollte mir eine Portion kochen. Es war unendlich mühsam, die zerbrechlichen Stangen durch das Loch zu schieben, bis dieses komplett gefüllt war. Halbe Pastastangen fielen heraus und zu Boden und mussten wieder eingesammelt werden, außerdem fehlte mir eine Hand – in der einen hielt ich das Maß, in der anderen die Spaghetti, die schon im Loch steckten, aber wie kann man jetzt weitere hinzufügen? Okay, endlich geschafft. Das nächste Mal hatte ich aber keine Spaghetti, sondern Farfalle (Schmetterlinge)… Blödes Hilfsmittel!

Anderes Beispiel: Tupperware-Party. Ich war erst auf einer solchen Veranstaltung und habe mich an dem Abend bestens amüsiert, aber dennoch fiel mir in erster Linie auf, was ich alles NICHT brauche.  

Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit werden wir mit den Katalogen der verschiedensten Anbieter überschüttet. Darin finden sich besonders viele Dinge, mit denen man angeblich lieben Menschen eine große Freude bereiten können soll. Naja, ich bin mir da nicht so sicher, aber das muss ja jeder für sich entscheiden. Dabei meine ich nicht mal Stilfragen oder Geschmack, sondern wirklich den reinen Nutzen. Da werden Helferlein als unverzichtbar angepriesen, deren Anwendung sich auf höchstens drei Gelegenheiten pro Jahr beläuft und die man bislang auch nicht brauchte, um zum gewünschten Ziel zu kommen. Und das sind die Dinge, die für nützlich erklärt werden.

Darüber hinaus gibt es den großen Markt der „Gadgets“.

Hier mal exemplarisch eine Seite aus dem Internet, auf der man die unglaublichsten Dinge erwerben kann – oder es lieber sein lässt, wenn man sich nicht unbeliebt machen will – http://www.thinkgeek.com/ Mein Highlight ist der USB-Rocket Launcher, also eine kleine Kanone, die man an den USB-Anschluss seines Computers steckt, um damit unliebsame Mitmenschen zu attackieren. Alles nur Spaß, versteht sich!

Jenseits des Familienbenutzers gibt es also einen Markt für sinnlosen Kram.

Und sein wir ehrlich, jeder von uns besitzt etwas, das in diese Kategorie fällt. Das muss nicht in der Küche sein. Auf und in Schreibtischen findet sich ebenfalls Einiges, in Werkstätten, Kellern, Garagen, im Putzschrank. Habt ihr schon mal gesehen, wie viele verschiedene Systeme es zur Fußbodenreinigung gibt? Und im Garten gibt es sie auch. Wie oft fällt einem erst Tage später ein, dass man für diese spezielle Aufgabe doch mal ein Gerät hatte… Wo war das noch? Das hatte ich doch ganz gut weggelegt, damit ich es sofort wiederfinde, wenn ich es brauche. Na egal, es ging ja auch so.

Auf jeden Fall ist da viel Kreativität von Seiten der Macher hineingeflossen.

Nicht zu verwechseln ist diese überbordende Fantasie jedoch mit dem eigentlichen Design von Gebrauchsgegenständen. Es gibt Möbel, die sind echte Kunstwerke und wahre Klassiker geworden. Es gibt Stühle und Sessel, die Weltruhm erlangt haben. Apple hat eine ganze Generation mit seinen runden Formen und klarer Gestaltung geprägt. Autos müssen nicht nur fahren und derzeit möglichst sparsam im Verbrauch sein, sondern auch toll aussehen – wobei toll wieder Geschmackssache ist und sich im Laufe der Jahrzehnte wandelt. So wie in einem meiner schönen Bücher über das Malen gesagt wird: Malen Sie die Autos mit, an ihnen wird man immer erkennen können, von wann ihr Bild ist! Stimmt. Wie Frisuren, Bekleidung und Möbel, sind auch Autos Kinder ihrer Zeit.

Es gibt Menschen, die sich viel Zeit damit lassen, Dinge zu verbessern, sie dem Menschen möglichst gut zugänglich zu machen. Besonders deutlich sieht man das im Bereich der Altenpflege und der Hilfsmittel für Behinderte. Prothesen zum Beispiel erfüllen heute ganz andere Aufgaben als früher. Sollte ehedem nur kein abschreckender Beinstumpf zu sehen sein, so können mit den heutigen Prothesen Spitzenergebnisse im Sport erzielt werden. Ob Bekleidung oder Möbel, Umbauten für Autos, Wohnungseinrichtungen oder Computer, behinderte Menschen bekommen viel Unterstützung, die ihnen ein weitgehend selbständiges Leben ermöglichen. Das ist wichtig für jeden Einzelnen, denn es steigert das Selbstwertgefühl, wenn man sein Leben allein meistern kann. Dazu muss man sich Gedanken machen, dazu muss man sich einfühlen. Wenn man im Rollstuhl sitzt, nutzen Gesäßtaschen in der Hose herzlich wenig, um seine Papiere und Schlüssel zu verstauen… Aber wer denkt daran schon, bis er selbst in die Situation kommt?

In der Straßenplanung kann es dabei zu echten Konkurrenzproblemen kommen. Wenn man an einer Kreuzung oder einem Fußgängerübergang die Bordsteinkante absenkt, ist das eine Erleichterung für alle Rollstuhlfahrer, Besitzer von Rollatoren und auch die Mütter mit den Kinderwagen. Ein Problem ist es hingegen für die Blinden, die mit ihren Stöcken genau nach der Kante suchen, an der sie stehen bleiben müssen. Alles Mitdenken hilft nur, wenn das Hilfsmittel immer bei dem ankommt, der es braucht. Allen kann man es nicht mit der gleichen Lösung recht machen.

Ich wünsche euch, dass ihr Weihnachtsgeschenke findet, die sinnvoller sind als der Familienbenutzer, damit sie wirklich gut ankommen und Freude verbreiten.

Kreativität in der Architektur

Wenn Kreativität zur Uniformität wird – moderne Architektur

Ich muss gestehen, dass mich Architektur reizt. Hätte ich früher festgestellt, dass ich mir das Zeichnen noch aneignen kann, wäre Architektur vielleicht ein denkbares Berufsziel für mich gewesen. Ich sehe mir gerne Häuser an, stelle mir vor, wie es sich darin leben lässt. Ich mag ausgefallene Formen, die ein individuelles Leben ermöglichen. Und ich finde es eine wunderbare Aufgabe, Häuser für Menschen zu planen und zu bauen.

Wie soll das ideale Haus aussehen? Was passt zu mir und meinem Leben?

Ich hätte da schon so die eine oder andere Vorstellung, was mir gefallen könnte… So geht es sicher jedem von uns. Dabei sind die Vorstellungen und Wünsche ganz verschieden. Der eine träumt vom alten Bauernhof, der andere von der Villa am Meer, der dritte will vor allem seine Lebensgrundsätze gespiegelt sehen und baut einen Ökotempel und dem nächsten sind scharfe Kanten und Ecken ein Dorn im Auge.

Es gibt so viele Möglichkeiten, aber nutzen wir die auch?

Schauen wir uns die Neubauten in unseren Städten einmal genauer an. Was sehen wir? Glas, Stahl, Beton… Und irgendwie hat man oft das Gefühl: Das kenne ich schon. Warum ist das so? Geht es nur mir so, dass da Langeweile aufkommt? Wann hat euch das letzte Mal ein neu gebautes Gebäude so richtig beeindruckt? Ich kann mich nicht erinnern, wohl aber an ältere Gebäude, die ich erstmals gesehen habe und die mich schier umgehauen haben. Ich denke da zum Beispiel an das Hundertwasserhaus in Magdeburg. Kennt ihr das? Falls nicht, könnt ihr hier mal genauer gucken: http://www.gruene-zitadelle.de/deutsch/ Das ist ein Wohnhaus, bestehend aus ganz vielen geschwungenen Formen, dabei farbenfroh und mit viel Grün drum herum – und das in Sichtweite zum Dom, also nicht irgendwo außerhalb. Das ist etwas Besonderes! Daran erinnert man sich. Hingegen sehen die in Berlin hochgezogenen Gebäude in den letzten Jahren alle gleich aus. Schon der Potsdamer Platz hat mich damals nicht vom Hocker gerissen und das hat sich bis heute nicht geändert.

Schauen wir mal genauer hin.

Wir alle haben eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie moderne Architektur aussieht. Dabei stimmt das genau betrachtet gar nicht! Das was wir landläufig als „modern“ bezeichnen ist gar nicht mehr aktuell. Was in den 80’ern gebaut wurde, war damals exklusiv und ist heute zum alltäglichen Formenkanon verkommen. Ich bezweifele, dass damals jemand gewollt hat, dass ganze Städte in Glas und Stahl und Beton hochgezogen werden. Als Einzelstücke, die herausragen aus der Masse, bilden sie einen Kontrast zu ihrer gewachsenen Umgebung, doch wie immer, wenn etwas verallgemeinert wird, verliert es an Reiz und wird beliebig. Dieser Baustil ist formal längst überholt. Die Postmoderne mit ihren Rückgriffen auf antike Bauelemente (vor allem das Dekor) hat Einzug gehalten. Dabei wandte man sich ganz bewusst von dem inneren Zusammenhang der Einzelteile ab. Bauten wurden überbordend, unlogisch, absichtlich uneinheitlich bis hin zu grotesk. Wahrscheinlich waren die Architekten selbst gelangweilt… Tatsächlich gab es wilde Diskussionen zwischen den Modernen und den Postmodernen, die ihren Vorgängern vorwarfen, in Formen erstarrt zu sein. Nicht ganz zu unrecht. Wohingegen man den „neuen“ vorwerfen konnte, nicht mehr an den Menschen oder an den Gesamteindruck zu denken, sondern nur an sich selbst, an ihren Ruhm. Da wurde der Architekt dann endgültig zum Künstler und, ja, zum abgehobenen Spinner. Was für eine Kunstsammlung ein geeigneter Rahmen ist, kann vielleicht auch noch als Bibliothek dienen, als Ort, an dem Menschen leben, eher nicht mehr. Beeindruckend ist Architektur immer dann, wenn sie zur Erlebniswelt wird, wenn sie mehr ist als nur ein Raum, wenn sie etwas mit uns macht. Dabei muss man aber immer bedenken, dass wir uns nicht den ganzen Tag lang beeindrucken lassen wollen, dass wir Ruhe brauchen und einen vertrauten Ort, an dem wir entspannen können. Wo wir durch spitze Winkel, glänzende Oberflächen, Lichteffekte ohne sichtbare Fenster oder beängstigende Weitläufigkeit in unserer Ruhe aufgestört werden, können wir keine Kraft für den Alltag schöpfen. Das kann kein Zuhause sein, kein Rückzugsort. Das ist nur ein Statement, meistens das eines exaltierten Künstlers. Dabei sollte es eigentlich ein Anliegen der Architekten sein, uns ein angenehmes Gefühl beim Wohnen und Arbeiten, beim Einkaufen und unterwegs zu vermitteln. Dass man es niemals allen recht machen kann, ist selbstverständlich, aber Uniformität wird nur den wenigsten gerecht. Denn ich glaube, aus diesem Grund wählen die meisten Architekten ihren Beruf. Schade, dass sie diesen Anspruch an sich selbst so oft begraben (müssen).

Dabei gibt es wirklich viele Beispiele für ganz außergewöhnliche Häuser. Da gibt es die ausrangierten Container, die in London zu einer sehr bunten, ganz verrückten Siedlung am Wasser zusammengesetzt werden. Es gibt das Architektenhaus, das rund um einen feststehenden, runden Kern gebaut ist, sich in Stufen hinaufschraubt, sich immer zur Sonne dreht, aber komplett verschattet werden kann, wo die Energie aus der Erde kommt und alles ökologisch ist. Leben auf minimalem Raum kann man im Kubus, der an Universitäten als Studentenwohnheim getestet wird. Auf gerade mal 3x3x3 Metern findet sich eine komplette Wohnung (in ganz klein). Das ist eng, aber machbar.

Es gibt also neue Ideen, neue Formen, neue Wege – wird Zeit, dass diese auch in unseren Städten verwirklicht werden und so zum bunten Bild beitragen, damit sich mehr Menschen wohlfühlen können, damit wir ein lebenswerteres Leben führen können und damit die Individualität der Architekten nicht die einzige ist und bleibt, die beim Häuserbau berücksichtigt wird.

Kreativität und Musik

Wer braucht schon Noten?

Um in der Musik kreativ zu sein, reicht es nicht, Noten zu spielen. Das kann mit etwas Unterricht in der speziellen Spieltechnik jeder lernen. Musikalisch kreativ zu sein bedeutet, selbst mit Klängen und Harmonien zu spielen, auszuprobieren, neu zu kombinieren und sich selbst auszudrücken. Ehrlich gesagt, ist mir das mit einem Instrument nie gelungen. Ich habe etliche Jahre Instrumentalunterricht gehabt, nur wenig geübt und leidliche Ergebnisse erzielt. Es genügte, um in einer Neuköllner Schule vor Publikum aufzutreten, sagen wir mal so. Erst kürzlich ist mir bewusst geworden (Danke, Anne), dass das was ich da gemacht habe gar nicht viel mit Musik zu tun hatte. Ich habe immer nur das abgespielt, was in Form von Noten vor mir stand. Weder konnte mich mein Musiklehrer davon überzeugen, mal nach Gehör zu spielen, noch wollte ich beim Jazz improvisieren. Zu einer Note gehörte immer ein Griff – sei es, dass Löcher mit Finger abgedeckt wurden oder mit Klappen oder eine Taste gedrückt wurde. So funktionierte Musik für mich. Wahrscheinlich habe ich mich deshalb nie für Streichinstrumente interessiert… Ein Graus, nicht zu wissen, wo welcher Ton ist!

Allerdings habe ich immer mit meiner Stimme experimentiert. Da ich ständig gesungen habe, habe ich dann auch improvisiert. Mit meiner Stimme fühle ich mich sicher genug. Das ist in mir. Irgendwie macht das einen Unterschied aus. In ganz vorsichtigen Ansätzen ging es mir mit dem Saxophon ähnlich. Vielleicht hätte ich das nicht so schnell wieder aufgeben sollen?

Zurück zur allgemeinen Betrachtung: Wenn man Musik macht gibt es verschiedene Herangehensweisen – ich nenne sie mal klassisch, also eher das, was ich mit Instrumenten erlebt habe, und intuitiv, aus dem Gefühl heraus, wie es mir nur beim Singen gelungen ist.

Wie wird man also in der Musik kreativ?

Was bei mir nie gelungen ist, kann trotzdem gefördert werden, denke ich. Bei mir wurde es einfach falsch angefangen. Falsch meint hier in Bezug auf eine musikalische Entwicklung hin. Wir haben in der ersten Stunde im Blockflötenunterricht das C nach Noten gespielt – und zwar rhythmisch korrekt notiert (erste Seite Lehrbuch)! Das hätte man doch vielleicht mal nach Gehör spielen können, oder? Weder wurde nach Gehör noch nach Gefühl gespielt. Wir haben keine Tempi gewechselt, keine Lautstärke (es sei denn, da stand ein p oder ein f) verändert und überhaupt nur Noten gespielt. Eine Frage zu Beginn des Unterrichts hätte ja sein können: „Wie fühlst du dich heute? Antworte mal mit dem Instrument.“ Und wie fühlt es sich an, wenn man in sein Instrument hinein lacht, hinein weint, hinein schreit? Was passiert da und wie klingt das? Welchen Rhythmus hat mein Leben und welchen meine Umwelt? Man kann mit Musik alles ausdrücken, wenn man sich nur traut.

Dass die Botschaften ankommen, auch hunderte Jahre später, kann man in jedem Konzert in den Gesichtern des Publikums sehen. Die Melodie erzählt eine Geschichte und wir lauschen ihr. Vielleicht hört nicht jeder die gleiche Geschichte, aber alle hören gebannt zu, bis sich die Harmonien auflösen in Wohlgefallen, wie beim Märchen, oder abbrechen, wie in einer Endzeitdokumentation. Pure Emotionen werden transportiert, die die Hörer mit eigenen Erlebnissen auffüllen und sich auf diese Weise erschließen.

Ähnlich wie beim Malen wurde im Musikunterricht nur Abgefragt, was schon von zuhause gefördert bzw. mitgebracht wurde. In diesem Fall hatte ich Glück – mir wurde soviel mitgegeben, dass ich davon fast bis zum Abitur profitieren und eine konstante Eins vorweisen konnte. Hat irgendjemand etwas gelernt in diesem Unterricht? Ich glaube kaum. Wir haben gesungen, getanzt und ja, was eigentlich? Noten wurden am Rande mal erklärt, aber niemals angewendet. Also, wozu sollte man sie lernen? In manchen Klassenstufen wurden wir sogar differenziert unterrichtet. Die, die ein Instrument spielen konnten, übten für die halbjährlichen Schulaufführungen, die anderen haben irgendwas gemacht. Ich bin nie dahinter gekommen, was eigentlich. Man stelle sich vor, so würde im Deutschunterricht verfahren werden. Die, die Deutsch können, lernen noch etwas dazu, die anderen werden nur beschäftigt. Unvorstellbar! Ein solches Armutszeugnis würde keine Schule auf sich sitzen lassen. Auf Aufschrei der Empörung ginge durch die Gesellschaft, wenn Mathematik, Fremdsprachen und andere „Hauptfächer“ derart differenziert würden. Ganz im Gegenteil sollen doch vor allem die Schwachen von der Differenzierung des Unterrichts profitieren, damit sie irgendwann zu den stärkeren Schülern aufschließen können. Gut, es ist kaum möglich, dass man in ein paar Stunden Musik (in manchen Jahren gibt es ja gar keinen Musikunterricht mehr und sonst höchstens zwei Stunden pro Woche) in der Schule den Einzelunterricht am Instrument ersetzt, aber das muss ja nicht sein. Wenn den Schülern nur vermittelt würde, was Musik ist, dass man sich mit ihr ausdrücken kann, dann wäre schon viel gewonnen. Ein paar Rhythmen klatschen oder mit Sticks auf dem Tisch trommeln wäre ein Anfang. Harmonien summen lassen und darüber einen mit der Stimme improvisieren lassen wäre besser, als zum tausendsten Mal „Yellow Submarine“ zu singen. Klar, es gehört Mut dazu, aber den bringt man schließlich auch auf, wenn man als total unsportlicher Mensch gezwungen wird, am Reck zu turnen. Ich führe jetzt nicht aus, dass es im Sportunterricht an vielen Schulen nicht besser aussieht als im Kunst- oder Musikunterricht. Das erspare ich uns allen, denn da kann ich wirklich böse werden. Es gibt so schöne Musik- und Tanzfilme, mit denen auch Jugendliche begeistert werden können. Warum stehen die nicht auf dem Lehrplan? Warum gibt es in Schulen nie genug Instrumente für alle Schüler einer Klasse? Warum sind die Ziele in den künstlerischen Fächern so niedrig gesteckt, während man im Deutschunterricht Klassiker lesen und interpretieren muss? Um die Anforderungen des Englischunterrichts in der Oberstufe zu bewältigen, muss man Englisch zumindest ziemlich fließend lesen können – sprechen wird dahingegen eher vernachlässigt. Es muss genügen, um ganze Novellen und Romane lesen und verstehen zu können. Im Musikunterricht genügt es, ein bisschen was über Epochen zu wissen und „Yellow Submarine“ singen zu können. Wo bitte ist da die Vergleichbarkeit? Ja, ich weiß, wieder kommt ihr mir mit der Realität. Wer braucht schon Musik im weiteren, beruflichen Leben? Musik ist ein Luxus, den wir uns gönnen, aber nicht lebensnotwendig. Wirklich nicht? Wer das glaubt, sollte mal die Tagebücher und Erinnerungen von KZ-Häftlingen lesen. Was hat diesen Menschen geholfen, durchzuhalten? Was hat ihre Existenz erträglicher gemacht? Es waren die Künste, die Musik in erster Linie. Ebenso waren die Lieder der schwarzen Sklaven in Nordamerika lebensnotwendig. Wusstest Du, dass in den auf den Feldern gesungenen Liedern die Fluchtwege beschrieben wurden? Die Aborigines in Australien, haben Songlines. Es sind die alten Wege durchs Land, die in Liedern beschrieben werden. Grenzen zwischen Territorien werden so bezeichnet. Sehr eindrucksvoll ist das nachzulesen bei Bruce Chatwin („Traumpfade“).

Wer mir also erzählt, dass Musik ja nicht so wichtig sei und deshalb in der Schule eher nur nebenher unterrichtet wird, der hat das Menschsein nicht verstanden. Seid kreativ und macht Musik.

 

PS: Es ist mir durchaus bewusst, dass man Musik auch missbrauchen kann. Marschmusik ist ein gutes Beispiel, ebenso die Inszenierungen der Nazis. Das liegt daran, dass man sich von Musik nicht ganz lösen kann, wenn man sie hört. Allerdings ist das kein Grund, Musik generell zu scheuen oder zu bannen.

Kreativität im Buzzword-Bingo

Kreativität? Ein Punkt beim Buzzword-Bingo!

Ich habe diese verrückte Variante des Bingo zuerst in einem Roman kennen gelernt. Dort war es die Protagonistin, die in den Besprechungen die typischen leeren Worthülsen registrierte und sich freute, wenn sie fünf beisammen hatte. Da wusste ich noch nicht, dass es sich um eine Idee handelte, die längst kursierte und viele Anhänger hatte.

Du kennst Buzzword-Bingo noch nicht? Dann will ich hier mal schnell die Regeln erklären. In jeder Rede oder Ansprache tauchen Schlagworte auf. Das macht die Rede modern, mitreißend und so schön aufgeblasen. Die Schlagworte unterliegen dabei einem gewissen modischen Wandel, aber manche sind echte Dauerbrenner. Beispiele gefällig? Bitte sehr: Nachhaltigkeit, Wertschöpfung, Effizienz und – ja, kreativ… Dazu komme ich gleich, doch zunächst weiter mit den Spielregeln. Im organisierten Buzzword-Bingo gibt es richtige Bingokarten, auf denen diese Schlagworte verteilt sind. Dann wird eine Rede gehalten und man kreuzt die Worte durch, die man auf der Karte hat. Bei fünf gekreuzten Wörtern in einer Reihe – senkrecht, waagerecht oder diagonal – steht man auf und ruft „Bingo“ oder auch gerne genommen „Bullshit“. Ganz für sich spielt man es eher wie die Figur in diesem Roman und hakt einfach nur still seine Buzzwörter ab. Es ist einfach nicht ratsam in der Präsentation des Chefs oder eines Kollegen aufzustehen und „Bullshit“ zu rufen. Das macht man nicht. Ein Gericht in Göttingen hat dieser Tage festgestellt, dass man das auch nicht in Ratsversammlungen sagen darf. Der Ratsherr, der im Frühsommer für dieses Wort der Versammlung verwiesen wurde, hatte diese Entscheidung erzwungen. Nun hat er es schriftlich: Das gehört sich nicht und wird durch die Gemeindeordnung entsprechend geregelt. Basta. Hätte er „Bingo“ gerufen, wäre das in diesem Fall wohl besser gewesen. Allerdings hat ihn auch niemand gefragt, ob er vielleicht nur gespielt habe…

Dass dieses Spiel durchaus kreativ ist und seine Erfinder Spaß daran hatten, ist unbestritten. Warum aber ist Kreativität ein Punkt auf diesen Karten? Warum wird etwas so Wunderschönes, Wichtiges, Wertvolles, das uns allen den Tag versüßen kann derart in den Schmutz gezogen und verunglimpft? Es hat mit der erzwungenen Kreativität zu tun, die ich vor ein paar Tagen beleuchtet habe. Uns allen hängt es zu den Ohren raus, dass wir kreativ sein sollen, dass wir Innovationen schaffen sollen (noch so ein Buzzword, wie ihr euch vorstellen könnt), dass wir neue Wege gehen und umdenken müssen. Bla bla bla… Und genau darum geht es beim Buzzword-Bingo. Wir können es nicht mehr hören. Wir wollen es nicht mehr hören! Ständig kommt einer und verlangt tolle neue Vorschläge, nichts vom alt Gedienten ist mehr gut genug. Diese jugendliche Wandlungsfähigkeit nutzt sich jedoch ab. Wir müssten immer schneller ändern, um den Eindruck von Stagnation zu vermeiden. Doch wenn wir überlegen, was sich über Jahrzehnte erhalten hat, dann stellen wir schnell fest: So schlecht ist das Traditionelle nicht immer. Behutsame Anpassungen sind völlig ausreichend und glaubwürdiger.

Ein Beispiel: Solange ich denken kann, bewirbt Henkel „Unser bestes von Persil“. Mal von der grammatikalischen Schwäche abgesehen, funktioniert das noch heute. Die rote Schleife ums Paket gemalt und schon greifen viele Verbraucher wieder zu. Das ganze neu entwickelte Zeug für Feines, Buntes, Schwarzes, Seide, Funktionstextilien etc. tritt in den Hintergrund. Jedes Jahr wieder. Hingegen ist Somat mit seinen ständigen Weiterentwicklungen völlig unglaubwürdig. Eben war es noch Somat 5, dann sind wir schon bei 7 und nun ist es Somat 9 mit Turbo-Irgendwas und Hau-mich-tot-Booster. Ja und wir fragen uns, wie das alles vorher und ohne ging. Bei Shampoo ist es genau das Gleiche, ja sogar bei Joghurt. Was kann man da neu erfinden? Joghurt ist ein natürliches Produkt aus Milch! Wir Verbraucher lassen uns von rechts- und linksdrehenden Milchsäurebakterien verunsichern, vermeiden Lactose oder setzen auf Darm stimulierende Inhaltsstoffe. Man sind wir blöd!

Oder sind die Werbeleute wirklich so „kreativ“?

Sie ködern uns, sie verleiten uns Dinge zu kaufen, die logisch betrachtet völliger Quatsch sind. Was bitte ist ein Fruchtsaft eigens für Kinder? Es bleibt Saft (hoffentlich). Und Schokolade für Kinder ist einfach Schokolade und ob ich die als Erwachsener noch mag, liegt einfach nur an mir.

Jedenfalls werden überall „kreative Köpfe“ gesucht, um Produkte an den Konsumenten zu bringen. Und das ist doch reine Verschwendung von kreativem Potenzial. Ich würde mir wünschen, dass es weniger Werbestrategen und Werbestrategien und Werbung überhaupt gibt und die Leute ihre Kreativität lieber zuhause künstlerisch austoben. Ich kenne das nämlich von mir: Wenn ich den ganzen Tag im Büro gehalten bin, mir tolle Sachen einfallen zu lassen, bin ich zu Hause nur noch leer und ausgebrannt und habe keine Energie mehr, etwas Schönes zu produzieren. Wie schade! Wir alle könnten viele schöne Dinge herstellen mit unseren Händen, Papier und Farben, Perlen, Ton, Musik, leckeren Speisen, Holz oder anderen Materialien und dabei Glück empfinden.

Weg mit den leeren Phrasen über Kreativität! Her mit echter Kreativität!

Ja, ich weiß, so funktioniert die Realität angeblich nicht. Die Wirtschaft braucht Werbung, woher soll der Verbraucher sonst wissen, dass es ein neues, noch besseres Waschmittel gibt? Meine Güte, das sieht er doch im Supermarkt im Regal stehen. Entweder, er ist zufrieden mit dem, das er hat und kauft es wieder, oder er nimmt alle anderen genau unter die Lupe, bis er eines gefunden hat, das ihm zusagt in Preis und Leistung. Und wenn ihm eine blaue Flasche besser gefällt als ein grüner Karton – weil es zur Einrichtung besser passt – oder er den Geruch von xy besser findet als den von ABC, dann ist das auch okay.

Liebe Wirtschaft, bitte lasst den Quatsch mit dem höher, weiter, besser oder moderner, kreativer, hipper sein und steckt das Geld in die Entwicklung von Wichtigerem. Zum Beispiel in die schonende Nutzung der Ressourcen, die für uns alle zur Neige gehen, wenn wir nicht bald umdenken. Oder vielleicht steckt ihr das Geld einfach mal in gute Zwecke wie mobile Krankenhäuser in Afrika, Brunnen in den sich weiter ausdehnenden Wüstenregionen, den Klimaschutz. Dann ist es mir auch egal, ob Somat jetzt 5, 7 oder 9 heißt, bislang wurde mein Geschirr nämlich immer sauber.

So und für alle, die jetzt noch nicht genug vom Buzzword-Bingo hatten, ihr dürft diesen Artikel ausdrucken und alle Sprachhülsen rot durchkreuzen. Viel Spaß!

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