Tag 30 & 31

So, da ich erstens schon etwas hinterher hinke mit den Tagen und zweitens am Wochenende komplett verplant bin, bekommt ihr heute noch einen Doppelpack.

Im Moment lese ich “Die Legende von Sigurd und Gudrún” von J.R.R. Tolkien. Dieses Werk ist erst kürzlich von seinem Sohn Christopher veröffentlicht worden. Es handelt sich um eine Neufassung des Wölsungenliedes, also des nordischen Sagenschatzes, der gemeinhin als Edda bezeichnet wird. Rund um den Text – der übrigens in Englisch und Deutsch abgedruckt ist – gibt es Einführungen, Kommentare und Erläuterungen zu diesem Werk. Es hat nichts mit Mittelerde zu tun. Wer also auf Neues aus dem Auenland, von Elben, Waldläufern, Drachen oder gar Sauron hofft, liegt völlig falsch. Daher kann ich das Buch nur Menschen empfehlen, die entweder die nordischen Sagen lieben oder sich mit der philologischen Arbeit Tolkiens beschäftigen wollen. Für mich ist dieses Buch ein echter Glücksgriff!

Es wird eine Weile dauern, dieses anspruchsvolle Werk durchzulesen. Aber danach werde ich es etwas leichter angehen. Auf meiner Liste steht “Die Saat” von Fran Ray, ein Thriller. Eigentlich nicht die Art Buch, die ich gerne lese, aber dieses hat mich angesprochen. Mal sehen, ob ich mich damit wohlfühlen werde.

Das waren meine 31 Bücher in 31 Tagen. Ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen! Mir hat es jedenfalls (meistens) Spaß gemacht, über Bücher zu schwadronieren. Bei manchen Themen musste ich länger nachdenken, andere fand ich einfacher zu beantworten. Jedenfalls hat mir diese Zeit Freude bereitet. Sicher werde ich hier auch weiterhin über Bücher schreiben. Aber nun steht ja erstmal der National Novel Writing Month bevor… Da wird es viel ums Schreiben gehen. Lest mal wieder rein!

Tag 28 & 29

Ja, ich weiß, ich habe euch drei Tage lang auf den nächsten Eintrag warten lassen. Es tut mir leid! Aber zum Thema Verfilmungen ging mir so viel durch den Kopf, dass ich mich erst sammeln musste.

Die Frage ist ja eigentlich, welche Verfilmung ich ganz toll fand und welche ganz oll :-)

Ich habe generell ein Problem mit Buchverfilmungen. Jetzt ist es raus! Grundsätzlich liebe ich Filme, gar keine Frage. ABER: Wenn Bücher verfilmt werden, geht etwas für mich Essentielles verloren – die Gedanken der Figuren.

Ein Beispiel: “Der Name der Rose”

Das ist ein toller Film mit einem großartigen Sean Connery, einem sehr niedlichen Christian Slater und viel Atmosphäre. Was mir am Buch aber mit am besten gefallen hat, sind die historischen, theologischen und philosophischen Debatten, sowie die Enträtselung des Labyrinths und die Neugier des William von Baskerville. Das alles kommt nur am Rande vor. Das ist für mich nur die Vorspeise, aber nicht sättigend. Man könnte sagen, der Film macht Appetit darauf, das Buch mal wieder zu lesen.

Ähnlich ergeht es mir mit den meisten guten Verfilmungen – “Eragon”, “Zusammen ist man weniger allein”, den verschiedenen Verfilmungen der Jane Austen-Romane und nicht zuletzt mit “Der Herr der Ringe”. Richtig ärgerlich sind schlechte Verfilmungen und Filme zu schlechten Büchern. Wenn ein Buch schlecht ist, sollte es nicht auch noch verfilmt werden, bin ich der Meinung.

Negativbeispiel: “Der Jane Austen Club”

Das Buch taugt schon nicht viel und wird dem selbst aufgebauten Anspruch nicht gerecht. Im Film ist dann plötzlich alles anders, aber nicht besser. Da werden Figuren anders eingeführt, sehen überhaupt nicht aus wie im Buch (sind beispielsweise viel zu jung), die Beziehungen der Figuren untereinander sind ganz anders definiert… Ein rundum ärgerlicher Film zu einem merkwürdigen Buch. Ich habe es ein zweites Mal begonnen zu lesen, um herauszufinden, was daran nicht stimmt. Für alle, denen es ähnlich ergangen ist: Ist euch aufgefallen, dass man gar nicht bestimmen kann, aus welcher Perspektive der Roman erzählt wird? Es gibt kein Ich (Außer in den Dialogen), nur ein Wir im Gegensatz zu einer Einzelperson. Da die Einzelperson aber wechselt, gibt es auch kein gleichbleibendes Wir. Man weiß nie, wessen Meinung gerade vermittelt wird. Außerdem wird keine Figur positiv geschildert, alle werden negativ eingeführt. Sehr merkwürdiges Stilmittel!!!

Deshalb stehe ich Verfilmungen eher skeptisch gegenüber. Nur einen Film möchte ich zum Schluss noch nennen, den ich für durchweg gelungen halte, bei dem ich aber nicht sicher bin, ob es das Buch wirklich zuerst gab:

“Der Club der toten Dichter”

Hier stimmt wirklich alles. Damit genug für heute.

Tag 27

Welche Figur in einem Buch entspricht meinem Ideal? Mir gefallen Figuren, die nach Wissen streben. Diese finden sich in besonderer Anzahl in den Mittelalterschmökern, die ich so gerne verschlinge. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es im Mittelalter eben nicht so einfach war, an Wissen heranzukommen wie heute. Da musste man schon Leidenschaft, Energie und Fantasie entwickeln, um in Bibliotheken zu gelangen. Um dann mein Ideal vollkommen zu erfüllen, müssen diese Figuren logisch denken und das Wissen anwenden. Als Prototyp könnte man William von Baskerville aus “Der Name der Rose” nennen, oder auch Päpstin Johanna in “Die Päpstin”. Neugiere Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – finde ich auch im wahren Leben spannend. Vielleicht ist nicht alles Wissen wirklich zu etwas nütze oder im Alltag anzuwenden, aber es zu haben, zu sammeln und zu teilen, finde ich erstrebenswert.

Dabei dürfen sich die Figuren aber nicht wie Diebe in der Nacht verhalten. Ich will keine Figuren, die im Verborgenen wirken. Ich will Figuren, die andere am Wissen teilhaben lassen, die ihr Wissen zum Wohl vieler einsetzen. Von solchen Figuren lese ich gerne. Da kann ich im Buch versinken. Übrigens muss es sich dabei nicht um menschliche Figuren handeln! Der Protagonist aus “Die Stadt der träumenden Bücher” gehört ebenfalls in diese ideale Kategorie.

Naja, und von den starken, wissbegierigen Frauen aus der Feder Marion Zimmer-Bradleys brauche ich euch ja nichts mehr zu erzählen.

Tag 26

Was würde ich meinen Kindern vorlesen (wenn ich welche hätte)? Sicher würde ich ihnen viele der Bücher vorlesen, die ich als Kind geliebt habe. Ich erinnere mich an viele schöne Bilderbücher, die die Fantasie angeregt haben und die Sorgen, Ängste und natürlich Freuden von Kindern gut transportieren.

Zum Beispiel die “Willi Wiberg”-Bücher. Mit dem immer freundlichen Papa. Erstaunlich, dass es wirklich einen allein erziehenden Vater in der Kinderliteratur gibt, und das schon so lange. Und Papa sieht richtig alt aus, nicht so ein junger dynamischer Vater aus der Werbebranche!

Später würde ich dann die Bücher von Astrid Lindgren vorlesen. Die sind lustig, spannend und trotzdem kindgerecht. Was gab es da für Abenteuer in Bullerbü, bei Madita und mit der wilden Pippi. Wie aufregend war es, mit Kalle Blomquist auf Mördersuche zu gehen oder mit Rasmus durch das Land zu streifen! Das sind fantastische Kinderwelten, die ohne großes Gedröhne daherkommen und trotzdem wirken. Von Ronja, den Brüdern Löwenherz und Mio ganz zu schweigen…

Das wichtigste an Kinderbüchern ist, das sie nicht banal sind. Kinder haben es nicht verdient, blödsinnige Moralgeschichtchen über sich ergehen zu lassen! Sie sollen angeregt und unterhalten werden. Wenn mich die Geschichte beim Vorlesen langweilt, langweilt sie das Kind beim Vorlesen mindestens ebenso sehr. Wenn man will, dass Kinder später selbst zu Büchern greifen, muss man sie ihnen schmackhaft machen. Das geht nur, wenn sie die Magie eines Buches erleben können. Und damit ist nicht die aufgesetzte Magie der Fantasy-Literatur gemeint.

Tag 25

Die heutige Frage finde ich schwierig selbst zu beantworten. Welche Hauptfigur in einem Buch beschreibt mich am besten? Müssten das nicht eigentlich ander über mich sagen? An wen erinnere ich euch? Gibt es ein Buch, in dem ihr mich wiederentdeckt habt? Ich bisher nicht.

Natürlich gibt es Figuren, die mir näher sind, von denen ich mir wünschen würde, dass ich ihnen näher bin, wenn man so will. Kassandra, diese starke Heldin in “Die Feuer von Troja” (Marion Zimmer Bradley), die gefällt mir! So wäre ich gerne – allerdings ohne die gängige Auslegung, dass Kassandra wirklich verflucht war und ihr niemals jemand glaubte. Wie frustrierend muss das sein!

Überhaupt gefallen mir die Frauenfiguren bei Marion Zimmer Bradley. Morgaine in “Die Nebel von Avalon” ist stark, obwohl sie Schwäche zeigt, wankelmütig ist und sich verkriecht, als ihr Schmerz unerträglich scheint. Die Verbundenheit zur Natur hat mir dabei ebenfalls sehr gefallen. Ich habe “Mio, mein Mio” (Astrid Lindgren) geliebt. Dort ist es ein Junge, der eigentlich schwach ist und dann an den Aufgaben wächst, bis er ihnen gewachsen ist und sie bewältigt. Solche Charaktere ziehen mich an. Aber bin ich deshalb ebenso?

Wahrscheinlich bin ich mehr wie “Bridgid Jones” oder Ashling in “Sushi für Anfänger” – wenn auch mit weniger Katastrophen und ohne blaue Spargelcremesuppe ;-)

Vom Schreiben her weiß ich, dass Figuren in Büchern selten wie reale Menschen sind. Sie sind von allem ein bisschen zuviel. Sonst wäre es langweilig. Wir alle sind manchmal stark, aber selten müssen wir in diesen Situationen einen Ritter mit einem Herzen aus Stein besiegen. Wir sind tollpatschig, aber nicht jeden Tag und ständig hochgradig peinlich. Wir sind traurig, aber wir fangen uns wieder und machen weiter. Das wäre ein sehr langweiliges Buch, das so mittelmäßig ist, wie unser alltägliches Leben. Daher ist es wohl nicht möglich, zu sein, wie die Figur in einem Buch.

Tag 24

Gibt es Bücher, die mir niemand zutrauen würde? Eigentlich wissen alle, die mich kennen, dass ich quer durch die Bank weg alles lese, was mir zwischen die Finger kommt. Trotz meiner heutigen Einstellung zu Gewalt in Büchern, habe ich in meiner Teenagerzeit begeistert die Bücher von Stephan King verschlungen. Obwohl ich heute keine Krimis mehr lese, habe ich alles von Agatha Christie und Edgar Wallace verschlungen, was die Bezirksbücherei von Neukölln zu bieten hatte. Ich habe die Bücher zu den ZDF-Weihnachts-Mehrteilern von Justus Pfaue gelesen und Bücher über Abenteuer auf dem Ponyhof. Im Rahmen meines Studiums habe ich sogar die Bibel und den Koran gelesen. Ich habe einige Werke der Klassiker gelesen, mittelalterliche Literatur, Märchen aus aller Welt, Biografien, Sachbücher zu den verschiedensten Themen, Esoterik, Ratgeber und Comics… Womit könnte ich also noch irgendjemanden überraschen?

Nein, tut mir leid, diese Aufgabe kann ich nicht zufriedenstellend lösen. Ich kann keine Abgründe eröffnen. Ich bin zu lesen, wie ein offenes Buch – ich bin schon mein ganzes Leben lang ein Lesejunkie und komme von meinem Stoff nicht los.

Tag 23

In meinem Bücherregal stehen vornehmlich dicke Bücher. Wie soll ich da jetzt das mit den wenigsten Seiten finden? Man muss sich das so vorstellen: Ich gehe in ein Buchgeschäft und gucke die dünnen Bücher abschätzig an und greife dann nach den Schmökern. Dabei zählt natürlich nicht allein die Masse, aber in einem Buch muss man ein paar Stunden gemütlich versinken können, sonst habe ich nicht genug davon.

Nun gut, ich habe auch ein paar schmalere Bändchen (meist Sachbücher) und die Mini-Ausgabe eines Bilderbuches. Dieses stelle ich euch heute vor.

Das Bärenwunder (Wolf Erlbruch)

Erzählt wird die Geschichte eines Bären, der im Frühling hungrig aufwacht, sich sattfrisst und dann daran denkt, wie gerne er ein Bärenvater wäre. Er schaut bei den verschiedenen Tieren des Waldes vorbei, die alle ihre eigenen Mythen über das Bekommen von Nachwuchs haben. Keine passt zu ihm und er ist sehr unglücklich. Eines Tages sitzt er in der Sonne und guckt in den Himmel. Da zieht eine merkwürdige Wolke vorüber und er denkt daran, wie sein Vater ihm von der Bären-Wunder-Wolke erzählt hat, auf der all die Bärenkinder herumtollen bevor sie auf die Erde kommen. Gerade in dem Moment kommt eine Bärin daher, fragt ihn ob er sich Bärenkinder wünscht und eröffnet ihm, dass sie an die Wunder-Wolke nicht glaubt. Statt dessen sagt sie zu ihm: “Wenn Du nur ein bisschen mitmachst, könnten wir im nächsten Frühjahr ganz wunderhübsche Bärenkinder haben.” Daraufhin schließt das Büchlein mit dem Satz: Und sie suchten sich ein weiches Plätzchen, irgendwo auf einer Lichtung, im hohen, hohen Gras.

Ich habe dieses Buch als Erwachsene geschenkt bekommen. Fand es auch ganz niedlich. Die Bilder sind hübsch gemalt und das bisschen Text – sehr komprimiert – ist poetisch angehaucht. Dennoch frage ich mich, für wen solche Bücher eigentlich gedacht sind… Im Grunde kann ich mir keine Zielgruppe vorstellen. Soll das im Kindergarten als Einstieg in das Thema Sexualität dienen? Nach dem Motto wo kommen eigentlich die Kinder her? Das fände ich problematisch, denn soweit ich weiß, ist es biologisch völliger Blödsinn. Bären treffen sich allein zur Paarung und sind sonst Einzelgänger. Einen Bärenvater gibt es in diesem liebevollen Sinne also nicht.

Ist das Buch dann für Erwachsene? Ein niedliches Geschenkbüchlein und nichts weiter? Wer braucht diese Bücher? Merkmal all dieser putzigen, romantischen, niedlichen Geschichten ist, hat man sie einmal gelesen, braucht man das Buch nicht mehr. Oder sehe ich das falsch? Es gibt eine ganze Zahl solcher Büchlein, die wohl oft als Verlegenheitsmitbringsel gekauft werden. Wird Zeit, dass ich das Bärenwunder aussortiere.

Tag 22

Welches Buch in meinem Regal hat die meisten Seiten? Ist das wirklich noch eine ernstgemeinte Frage? Ich glaube, ihr könnt es mittlerweile alle erraten: “Der Herr der Ringe” (J.R.R. Tolkien).

Damit es hier aber weder ein Zweizeiler wird, noch langweilig für meine Leser, habe ich mir die Mühe gemacht, euch noch mein dickstes Sachbuch rauszusuchen. Das ist “Der große Ploetz” (Carl Ploetz). Ein Standardwerk der historischen Nachschlagewerke. Auf dünnstem Papier in winzigen Buchstaben gedruckt, in einem unhandlichen Format und ohne jeden grafischen Schnickschnack gibt es Auskunft über die Geschichte aller Länder und Reiche in allen Zeiten auf dieser unserer Erde. Ein Mammutprojekt, das immer neu aufgelegt wird und angeblich über 100.000 Informationen, Daten und Fakten enthält, wie der Untertitel behauptet. “Unverzichtbar” und “konkurrenzlos” heißt es in Internetrezensionen über den Wälzer. Tatsächlich findet man unglaublich viel angehäuftes Wissen zwischen den Buchdeckeln. Dabei darf man das Buch nicht mit der Erwartung aufschlagen, eine Einführung in irgendein historisches Thema zu erhalten: Daten, Fakten, Informationen – nicht mehr.

Insofern hatte ich das gute Stück schon lange nicht mehr in der Hand. In Zeiten des vernetzten Wissens sind solche Sammlungen zwar nicht überflüssig, aber nicht mehr das, was der anspruchsvolle Mensch von heute sich wünscht. Die Länder und Reiche hintereinander aufzureihen, ohne inhaltliche Bezüge, ohne Parallel- oder Gegenbewegungen deutlich zu machen, genügt uns heute nicht mehr. Zwar kann man den zahlreichen Querverweisen folgen, doch wird dies schnell mühsam und unübersichtlich. Gerade bei Lexika neige ich zu der Auffassung, dass die Papierform bald ausgedient haben könnte. Für alle anderen Bücher gilt das natürlich nicht! Zumindest nicht in meiner Zukunftsvision.

Tag 21

Das blödeste Buch, das ich während meiner Schulzeit lesen musste? Da habe ich reichlich Auswahl :-( Ich kann mich nicht entscheiden und präsentiere euch daher die drei schrecklichsten – je eines aus dem Deutsch-, Englisch- und Französischunterricht.

Woyzeck (Georg Büchner)

Das kam im Leistungskurs Deutsch dran. Ich habe es gehasst! Es hat eindeutig den ersten Platz auf der Skala der schlimmsten Pflichtlektüren verdient. Dazu bekamen wir die Hausaufgabe, alles aufzuschreiben, was uns daran aufgefallen ist… Geht es noch ein bisschen diffuser? Ich fand dieses ganze Machwerk einfach nur grausam – Menschenversuche, Einfaltspinsel und Selbstmord! In der Ausgabe, die wir zu lesen bekamen wurde außerdem deutlich, dass die Szenen nicht unbedingt in dieser Reihenfolge zu lesen sein, es zusätzliche und alternative Textauswahl gäbe und überhaupt niemand so recht wisse, was Büchner gewollt habe. Toll! Wenn ich mich richtig erinnere, was der Woyzeck bei uns sogar eine mögliche Aufgabe im schriftlichen Abitur. Was soll das? Wollen Lehrer das grausame Experiment fortsetzen, das im Werk angefangen wurde? Menschenversuche am leidenden Schüler? Nein, danke.

(Übrigens kommt auf den zweiten Platz dieser Liste Heinrich Böll mit “Das Brot der frühen Jahre”. Zitat: Der Tag, an dem Hedwig kam, war ein Montag. Dieser erste Satz ist genau so, wie der Rest des Buches: Unspektakulär.)

Lord of the flies (William Golding)

Im Englischunterricht der 12. Klasse schlugen wir uns mit dieser grausamen Robinsonade herum. Leicht zu lesen, schwer zu verdauen. Natürlich wird hier ein soziales Thema behandelt. Und dass dieses Werk zur Weltliteratur gehört, erkennt man auch daran, dass es eine Simpson-Folge gibt, in der es persifliert wird. Warum aber wird jungen Menschen eingetrichtert, wie schlecht Menschen sind? Warum zeigt man ihnen nicht lieber positive Beispiele? Warum wollen wir in der Pädagogik immer Abschrecken, statt Vorbilder zu kreieren? Das verstehe ich einfach nicht! Sicher, es gibt auch “erbauliche” Werke, die längst von den meisten Literaturlisten gestrichen sind. Buchhandlungen gleichen inzwischen “Himmel und Hölle”-Spielen: Auf der einen Seite die blutrünstigen Thriller und Krimis, auf der anderen Seite die Ratgeber und Erfahrungsberichte, die Glück und innere Zufriedenheit vermitteln wollen. Wenn ich die Wahl habe, packe ich mir in meinen Kopf lieber ein paar zufriedene Menschen, als Mörder und Psychopathen. Aber damit bin ich offenbar ziemlich allein.r

(Den zweiten Platz und nur sehr knapp dahinter nimmt “The Loneliness of the Long-Distance Runner” von Alan Sillitoe ein. Wieder ein sozialkritischer Stoff, der mit Schülern trotz der Jugend der Hauptfigur wenig zu tun hat. Langweilig wie Böll, moralisierend wie Golding.)

Maigret (Georges Simenon)

Ich weiß nicht mehr, um welchen Fall es sich handelte. Vielleicht war das Buch auch gar nicht SOOOOO schlecht, aber als Lektüre im Französischunterricht der 11. Klasse, war es eine Katastrophe. Die Lehrerin hatte uns nach den Sommerferien übernommen, ein Lehrbuch für die Klassenstufe gab es nicht mehr. Wir sollten jetzt also ein Buch lesen, später Referate halten etc. Um es ehrlich zu sagen: In unserer Klasse konnte kaum einer mehr als das Nötigste in Französisch. Wir hatten die Sprache in der 7. Klasse begonnen, in der Zeit drei hauptamtliche Lehrer und ebenso viele Referendarinnen erlebt. Bis auf eine Frankreichfahrt in der 9. Klasse, kann ich mich an nichts Positives erinnern. Nun also Maigret. Wir begannen gemeinsam im Unterricht zu lesen, keiner verstand den Text, eine Vokabelfrage nach der anderen schwirrte durch den Raum. Die Lehrerin war schon recht verzweifelt, meinte, wir sollten das Ganze erfassen und uns nicht an die Worte klammern. Gegenargument: Dies ist ein Krimi, hier kommt es möglicherweise auf jedes noch so kleine Wort an! Ich weiß nicht mehr, wie weit wir gekommen sind. Weit war es nicht. Dann hat sie die Bücher wieder eingesammelt. Es hatte einfach keinen Zweck!

Hier kann ich gar kein zweites Buch anführen, denn dieser eine Versuch war der einzige, den je ein Französischlehrer an uns gewagt hat.

Ach ja, eigentlich hätte ich diesen Eintrag gestern machen wollen/sollen. Tut mir leid, wenn jemand vergeblich gewartet hat. Den nächsten gibt es dann auch erst morgen wieder.

Tag 20

Welches Buch war meine beste Schullektüre? Ich würde sagen, das war “Die Buddenbrooks” von Thomas Mann.  Wir haben das Buch in der 10. Klasse gelesen. In Gruppen sollten wir über einzelne Personen und bestimmte Themen Referate vorbereiten. Die Lektüre des Buches dauerte recht lange – kein Wunder bei mehr als 750 Seiten und doch einigen Lese-Ungeübten in meiner Klasse. Es war dennoch erstaunlich, welchen Ergeiz mancher an den Tag legte, um das Buch zu bewältigen. Ich erinnere mich, wie ein Klassenkamerad jeden Morgen zu mir kam, um zu erfahren wie weit ich schon gelesen hatte. Er machte seinen ganz persönlichen Wettstreit daraus, schneller zu lesen als ich. Nach drei oder vier Tagen hatte ich ihn komplett abgehängt. Ich glaube, er hat irgendwann nur noch die Sekundärliteratur gelesen ;-)

Für mich hingegen war dieses Buch der Einstieg in die Werke Thomas Manns, die ich danach Stück für Stück mir erschlossen habe. “Der Zauberberg” wurde zu einem meinem Lieblingsbücher. Auch in der Universität hat mich Thomas Mann immer wieder begleitet. Zum Beispiel in der fantastischen, vergleichenden Vorlesung von Reinhard Baumgart über die Schriftsteller Franz Kafka, Bert Brecht und eben Thomas Mann. Bei diesem wunderbaren Dozenten habe ich mir weitere Werke erschlossen wie “Die Wahlverwandtschaften” von Johann Wolfgang von Goethe. Auch so ein Roman, der mich über Jahre immer wieder und immer in neuer Form begleitet hat.

Heute sind “Die Buddenbrooks” für mich nicht mehr so wichtig oder aktuell. Die Verfilmung mit Armin Müller-Stahl habe ich mir nicht mehr angesehen. Ich habe festgestellt, dass alles seine Zeit hat – das gilt auch für Bücher. Meine Zeit mit den Buddenbrooks liegt hinter mir.

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