Heute mal ein ganz anderes Thema, als ihr es sonst von mir gewöhnt seid. Sozusagen “aus aktuellem Anlass”… Offenbar sind ja nun alle total glücklich, dass sich mit Joachim Gauck ein Mann für das Amt des Bundespräsidenten gefunden hat, der allen Ansprüchen gerecht wird. Die Opposition hat ihn aufgestellt, die FDP als Druckmittel genutzt und die CDU schließlich eingelenkt. Sicher ist Joachim Gauck ein respektabler Mann, einer der integer ist, seine Meinung vertritt und nicht allzu viel Dreck am Stecken hat. Angeblich steht sogar das Volk hinter ihm…
Tja, ich nicht.
Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, muss hier einfach mal meine Vorbehalte gegen ihn nennen.
1. Er ist mit 72 Jahren ziemlich alt. Das als solches wäre vielleicht noch nicht schlimm (man denke nur daran, wie viel Ehrensold wir sparen, wenn er nicht noch Jahrzehnte lang bezahlt werden muss). Für mich steht Gauck aber immer für Vergangenheit, nicht für Zukunft. Ein Bundespräsident sollte aus meiner Sicht heraus jedoch nach vorne weisen, nicht nur nach hinten mahnen.
2. Er ist Pfarrer. Ich gehöre keiner Glaubensgemeinschaft an und fühle mich von Theologen nicht vertreten, nicht mal angesprochen. Wenn wir nun einen Mann als ersten Vertreter des Staates berufen, der sich einer bestimmten Glaubensrichtung besonders verbunden fühlt, spricht er nicht mehr für alle. Außerdem hasse ich es, wenn mir Moral gepredigt wird.
3. Er hat sich zu vielen Diskussionen geäußert – was gut ist für einen Präsidenten! – leider hat sich dabei gezeigt, dass ich in keinem relevanten Punkt mit ihm übereinstimme: Er ist für den Krieg in Afghanistan, hat sich für den Einsatz in Libyen ausgesprochen, findet die Occupy-Bewegung “albern”, will die Wirtschaft nicht durch staatliche Eingriffe zähmen… Um nur mal die wichtigsten Dinge der aktuellen Ereignisse zu nennen.
4. Aufgrund der Ausgewogenheit hätte ich gerne einen Bundespräsidenten aus den alten Bundesländern. Irgendwo möchte ich auch meine Erfahrungen und meine Geschichte an der Spitze dieses Staates eingebracht wissen. Wir mögen ursprünglich ein Volk gewesen sein, wir wachsen auch wieder zu einem zusammen, aber die Erfahrungen beider Teile sind unterschiedlich und sollten präsent bleiben.
Ich weiß, meckern kann jeder. Vorschläge sind gefragt! Für mich muss ein Bundespräsident die Zukunft vertreten. Wie wäre es mit einem Uni-Dekan, der sich der Wissenschaft, der Lehre und der Förderung des Nachwuchses verpflichtet fühlt? Was ist mit einem Schriftsteller? Ich könnte mir jemanden wie Roger Willemsen, der die Welt bereist hat, mit Menschen spricht, eine Meinung hat und ein Meister des Wortes ist, sehr gut als Bundespräsidenten vorstellen.
Eine Wahl mit nur einem Kandidaten ist jedenfalls eine Farce!
Mar 01, 2012 @ 12:10:28
Es gab hier noch einen Kommentar, der auf einen mir fremden Blog verwiesen hat. Da ich den Autor nicht kenne und mir auf die Schnelle keine Meinung über ihn bilden konnte, habe ich den Kommentar – bestehend aus einer langen Antwort – nicht genehmigt. Das heißt nicht, dass ich nur mir bekannte Personen kommentieren lasse, sondern dass ich den Inhalt des verlinkten Blogs nicht einordnen konnte.
Nur kurz zum darin geäußerten Vorwurf, ich hätte Vorurteile gehen alte Menschen: Es geht mir weniger um das tatsächliche Alter Gaucks JETZT, als um die Dauer des Amtes und die eindeutige Assoziation zwischen diesem Mann und einem Thema aus der Vergangenheit. Dies nur zur Erläuterung.